Berlin : Starker Drang

Werner van Bebber

Wenn die Bahn in Berlin einen Bahnhof plant, ist eines sicher: die Hauptstadtausgabe von Regulierungswahn. Drum herum parken darf man nicht. Warum nicht – auf einer Brachfläche? Es steht kein Schild mit einem „P“ darauf. Was passiert eigentlich, wenn man auf der nicht mit „P“ gekennzeichneten Fläche ein Fahrrad abstellt? Das könnte ein Fall für die Bundespolizei werden. Aber die Bahn-Planer haben nicht bloß das Brachflächenproblem nicht im Blick gehabt. Auch die Bahnhofs-Toiletten sind eine Fehlkalkulation. Man habe nicht mit derartigem Andrang gerechnete, heißt es jetzt über den fehlkalkulierten Besucher-Harndrang. Aber man wusste genau, wie viele Einkäufer man vom Bahnhof Zoo fern halten muss, damit der Berliner Haupteinkaufsbahnhof Gewinn macht. Nun kommt im neuen Glaspalast die Stunde der Installateure. Aber womöglich ist das Harndrang-Problem sogar ein strukturelles, ein sozusagen bahnhofs-immanentes: Riecht es nicht überall in der Umgebung der Bahnhöfe nach Harndrang und Erlösung? Oder liegt das daran, dass die Leute auf dem Weg zum Bahnhof nur die Schilder mit dem „P“ missverstehen?

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