Berlin : Startbahn-Ausbau: Mehr Fluglärm über Grünau

Ab Oktober müssen die Maschinen in Schönefeld neun Monate lang die nördliche Piste nutzen

Klaus Kurpjuweit

Neun Monate mit viel Lärm vom Himmel stehen den Bewohnern von Bohnsdorf und Grünau bevor. Zum letzten Mal starten und landen Flugzeuge dann in großem Umfang auf der Nordbahn des Flughafens Schönefeld. In der Regel findet auf ihr kein Flugverkehr statt, um die Anwohner vor dem Lärm zu schützen. Mitte 2007 wird die Nordbahn aber endgültig geschlossen, weil sie nach dem Bau der Autobahn von dieser gequert würde.

Genutzt wird die nördliche Bahn vom 4. Oktober an werktags von 6 Uhr bis 22 Uhr, weil an der südlichen Bahn gebaut wird. Sie wird für den künftigen Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) ausgebaut und erhält dafür je vier neue Zu- und Abfahrten. Während gebaut wird, kann die Bahn nicht genutzt werden. Nachts werden die Arbeiten unterbrochen, so dass dann über die Südbahn geflogen werden kann.

Nach Protesten von Anwohnern hatte der damalige Chef der Flughafengesellschaft, Robert Grosch, entschieden, die Nordbahn nur noch zu nutzen, wenn die südliche Bahn blockiert ist. Später folgte dann auch ein echtes Nachtflugverbot für die Nordbahn. Seither werden zwischen 22 Uhr und 6 Uhr keine Starts und Landungen mehr genehmigt. Eine Ausnahme gilt nur für Flugzeuge der leiseren Kategorie, falls die Südbahn gesperrt sein sollte. Die südliche Bahn ist dagegen für einen 24-Stunden-Betrieb mit als leise eingestuften Maschinen zugelassen.

Zu DDR-Zeiten waren beide Bahnen genutzt worden. Proteste gegen den Fluglärm wurden nicht laut geäußert. Zudem wohnten viele Beschäftigte der Interflug in Bohnsdorf, die, wie es beim Flughafen heute heißt, Verständnis für den Krach an ihrem Arbeitsplatz hatten. Das habe sich geändert, nachdem viele Interflugbeschäftigte als Folge der Wende ihren Arbeitsplatz verloren hatten.

Die Nordbahn war nach Angaben der Flughafengesellschaft erst 1965 gebaut worden, während ihr südliches Gegenstück bereits 1961 fertig war. Die ursprüngliche Bahn für die Henschel-Flugzeugwerke lag noch weiter im Süden – etwa dort, wo die neue Bahn für den BBI-Flughafen entstehen soll.

1947 wurde aus dem ehemaligen Henschel-Firmenflugplatz ein ziviler Flughafen. Nach und nach baute ihn die DDR zum Zentralflughafen aus. Auf Anwohner wurde dabei keine Rücksicht genommen. Am 12. Dezember 1986 stürzte in Bohnsdorf beim Anflug eine Aeroflot-Maschine vom Typ Tu-134 ab. 72 der 82 Menschen an Bord starben.

Mitte 2007 wird die Nordbahn stillgelegt. Am östlichen Ende würde sie von der künftigen Autobahn A 113 gekreuzt, die das Dreieck Neukölln mit dem Berliner Ring verbinden soll. Bis zum Bau der neuen Start- und Landebahn im Süden gibt es dann in Schönefeld nur noch eine Bahn. Sie wurde in den vergangenen Jahren so ausgebaut, dass in dieser Zeit keine Großreparaturen fällig werden dürften.

Umgekehrt verschwindet für den BBI-Ausbau jetzt ein Teil der Kreisstraße von Rotberg Richtung Waltersdorf. Damit ist die Anfahrt zum Flughafen im Süden nur noch aus Richtung Waltersdorf möglich.

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