Berlin : Statistik zu Einbrüchen: Niedrigste Zahlen seit 25 Jahren in Berlin

Werner Schmidt

Immer mehr Einbrecher in Berlin scheitern an Sicherheitsmaßnahmen. Das Geld, das viele Leute gegen ungebetene Gäste investieren, scheint sich inzwischen zu lohnen. Über ein Drittel (35,5 Prozent) der im vergangenen Jahr registrierten Taten blieben im Versuch stecken: "Das liegt wahrscheinlich an den guten Sicherungen", vermutet Winfried Roll von der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle. Seit 1995 ist die Zahl der Einbrüche ohnehin permanent gesunken. Die Statistik weist für 1999 knapp 40 Prozent weniger Taten aus als vier Jahre zuvor - insgesamt die niedrigste Quote seit 25 Jahren.

Ferienzeit gleich Einbruchszeit? Wer glaubt, dass Einbrecher vor allem die Urlaubszeit nutzen, , der irrt. Seit Jahren sind nicht nur die Einbruchszahlen ständig gesunken, im Sommer passiert ohnehin am wenigsten. Einbrecher bevorzugen die dunkle Jahreszeit.

Grundsätzlich sind heute Wohnungen und Häuser besser gegen Eindringlinge gesichert sind als früher. In absoluten Zahlen: 1995 wurden in Berlin 8400 Einbrüche angezeigt, im vergangenen Jahr waren es nur noch 3300. In den ersten sechs Monaten dieses Jahren sanken die Zahlen gegenüber dem Vergleichszeitraum 1999 noch einmal um über ein Drittel: "Bei Einbrüchen in Wohnungen und Einfamilienhäusern haben wir ein richtiges Sommerloch", frotzelt Roll. Berlin hat derzeit die niedrigste Einbruchsquote seit 25 Jahren. Die einbruchsärmste Stadt mit mehr als 200 000 Einwohnern ist Zwickau (Sachsen). Dort wurden laut Roll im gesamten Jahr 1999 nur 38 Wohnraum-Einbrüche angezeigt.

"Wer in Urlaub fährt, sollte seine Wohnung oder sein Haus bewohnt aussehen lassen", rät der Sicherheitsfachmann Roll. Beispielsweise sollten über elektrische Schalter abends die Lichter an- und wieder ausgeschaltet werden. Auf jeden Fall muss der Briefkasten geleert werden, um Einbrechern keine Hinweise zu geben - und vor allem sollte man die Nachbarn unterrichten. Auch und vor allem über getroffene Sicherheitsvorkehrungen. Denn wenn im leerstehenden Nachbarhaus das Licht angeht, der aufmerksame Nachbar wegen Einbruchsverdachts dann aber umsonst die Polizei benachrichtigt, dann müsse der Einsatz auch bezahlt werden. Der Satz liegt derzeit bei etwa 100 Mark pro halbe Stunde Funkwageneinsatz. Wer ganz sicher gehen möchte, der kann einen "Haushüter" anheuern, empfiehlt Roll.

Die Zahl der Einbrüche lag im Sommerschon immer niedriger als im Winterhalbjahr. Im Herbst, wenn die Tage kürzer werden, kommen die Einbrecher bereits am späten Nachmittag, wenn sie sicher sein können, dass die Bewohner noch unterwegs sind. Die insgesamt gesunkenen Einbruchszahlen sind Roll zufolge nicht nur in Berlin zu beobachten. Sie sind ein bundesweites Phänomen. Während 1993 in der Bundesrepublik noch 227 100 Einbrüche angezeigt wurden, waren es 1999 nur noch 149 000 - ein Rückgang von 34,4 Prozent.

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