Berlin : „Stattauto“ wieder in der Krise

Das Carsharing-Unternehmen hat einen Prozess verloren und muss 140000 Euro zahlen

Jörn Hasselmann

Das Berliner Carsharing-Unternehmen „Stattauto“ ist offensichtlich in massiven wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die Aktiengesellschaft hat jetzt ihre Aktionäre für Mitte März zu einer außerordentlichen Hauptversammlung eingeladen. Zur Begründung heißt es in der Einladung, dass „eine zusätzliche Belastung von knapp 100 000 Euro“ bilanziell einzustellen“ ist. In einem Schreiben des Vereins Stattauto, der die Kunden und Aktionäre der AG vertritt, wird die finanzielle Situation als „ernst“ bezeichnet.

Der Hintergrund ist, dass Stattauto am 15. Januar einen Prozess gegen die Firma AMS verloren hat, die im Jahr 1999 mit der Wartung der Fahrzeuge betraut war. In erster Instanz ist Stattauto zur Zahlung von 140 000 Euro verurteilt worden. Ein Teil dieser Verlustsumme muss jetzt in die Bilanz einberechnet werden. „Damit wäre die AG überschuldet“, sagte Friedhelm Blume vom Verein Stattauto gestern. Auf der letzten Hauptversammlung im September 2003 war den Aktionären schon mitgeteilt worden, dass Stattauto „knapp vor der Überschuldung“ stehe, sagte Blume weiter.

In der Hauptversammlung am 16. März soll über die „Krise“ beraten werden. Dort will Stattauto-Vorstand Martin Stutzbach die vier größeren und die vielen hundert kleinen Aktionäre fragen, ob sie bereit sind, mit einer Sonderzahlung das neue Minus von 140000 Euro auszugleichen. Nur in diesem Fall sei die Existenz von Stattauto akut bedroht. Stutzbach sagte dem Tagesspiegel, dass er einen Vergleich mit der Firma AMS anstrebe, ungewiss sei jedoch, ob sich diese darauf einlasse. „Die Auffassungen sind gegensätzlich“, sagte der Vorstand, auch ein Gang in die zweite Instanz sei wenig erfolgversprechend. Die Situation sei ernst, aber es sei „keine konkrete Insolvenzlage“. Das Gerichtsurteil sei zum absolut falschen Zeitpunkt gekommen, denn erstmals in der Geschichte habe die AG in den letzten Monaten schwarze Zahlen geschrieben.

Hart am Rande des Konkurses hatte die Firma im Jahr 2000 gestanden, auch damals hatten die Kunden einen Brief über die drohende Insolvenz bekommen. Die Firma rettete sich damals, weil die Kunden „freiwillig“ auf ihre Einlagen verzichteten, die sie bei Vertragsabschluss hinterlegt hatten, zwischen 800 und 3000 Mark pro Person. Trotzdem hatte Stattauto auch 2002 noch 178 000 Euro Verlust gemacht. In Berlin hat die AG 4800 Kunden, die sich 180 Fahrzeuge teilen. Die Autos stehen an 53 Stationen, dort können die Autos in Selbstbedienung abgeholt werden, gebucht wird über Telefon oder Internet. Gegründet wurde die Idee des Auto-Teilens 1988 in Berlin.

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