Berlin : Stein und Schein

Christian van Lessen

Der rote Riese am Potsdamer Platz, so markant gestaffelt, so steinern stabil, erfreut uns seit Jahren. Er ist ein neues Wahrzeichen der Stadt, wie sein gläsernes Hochhaus-Gegenüber, der Bahn-Tower. Auch wenn die Ziegel des Riesen nur eine vorgesetzte Fassade sind, vermittelten sie bislang den Eindruck seriösen Handwerks, fest gemauert in der Mitte. Erinnern wir nur an den kürzlich verabschiedeten Senatsbaudirektor Hans Stimmann, der Solides zu würdigen wusste. Er stand auf Stein, ließ das neue Berlin vorzugsweise „steinern“ bauen, schien Fenster nur dann genehmigen zu wollen, wenn sie nicht zu vermeiden waren. Wie um ihm recht zu geben, platzten vor ein paar Jahren etliche Scheiben aus neuen Glashäusern, die doch auch gerade der Stolz der Stadt geworden waren. Nun droht, wer hätte das gedacht, dem roten Hochhaus, dem steinernen Sinnbild des starken, neuen Berlin, Ungemach. Unter seinem eindrucksvollen Steinkleid scheint wirklich einiges in Unordnung geraten zu sein. So kann’s eben kommen, wenn Stein nicht richtig Stein, sondern auch Schein ist.

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