Berlin : Steuerbetrug: Dr. Vlads krumme Touren

Kerstin Gehrke

Gute Freunde waren die fünf Geschäftsleute, die sich gestern vor einer Wirtschaftsstrafkammer verantworten mussten, eher nicht. Eines aber schmiedete die Unternehmer zusammen: Weil sie mit ihren Firmen in der Klemme steckten, wollten Sie den Fiskus betrügen. Innerhalb von vier Monaten gründeten Uwe P., Mario U. und ihre Komplizen 210 Scheinfirmen. Sie gaben Stellenanzeigen auf und benutzten die Personalien der Bewerber, um diese ohne deren Wissen als Gesellschafter einzutragen. Im gesamten Bundesgebiet wollten sich die 29- bis 53-jährigen Angeklagten dann angeblich verauslagte Umsatzsteuern erstatten lassen.

Alles begann mit einem Ausweis eines nichtsahnenden rumänischen Staatsbürgers. Den will der 35-jährige Mario U. bei einer Reise als "Pfand für geborgte 50 Mark" bekommen haben. "Ich erzählte P. von dem Ausweis, und dann kam die Idee, Gelder über Umsatzsteuern zu besorgen", gestand er im Prozess. Um dem Mann auf dem Passbild ähnlich zu sehen, färbte sich U. seine blonden Haare schwarz, ließ sich einen Dreitagebart stehen und sprach nur noch gebrochen deutsch. Unter dem Namen "Dr. Vlad N." eröffnete er nun 47 Firmenkonten für die Überweisungen der Finanzämter. Boulevard Berlin:
Was die Stadt bewegt... Wie am Fließband fälschten die Angeklagten im Herbst vergangenen Jahres notarielle Urkunden über angebliche Firmengründungen oder Umsatzsteuer-Voranmeldungen: Einer saß am Computer, einer unterschrieb mit falschen Namen, ein anderer tütete alles ein. Doch was wie eine Lizenz zum Gelddrucken aussah und bei Erfolg mindestens zwei Millionen Mark eingebracht hätte, flog schnell auf: Die ahnungslosen Arbeitssuchenden, wurden von den zuständigen Ämtern aufgefordert, Gebühren für die Anmeldung der Firma zu zahlen. Ihr Protest alarmierte die Steuerfahnder.

Die Angeklagten seien mit "erheblicher krimineller Energie" vorgegangen, befanden die Richter. Wegen Steuerhinterziehung und über tausend Fällen von Urkundenfälschung wurden die vorbestraften Hauptangeklagten P. und U. zu Haftstrafen von fünf und vier Jahren verurteilt. Gegen zwei ihrer Komplizen ergingen Strafen von je drei Jahren und drei Monaten Haft. Der jüngste Angeklagte kam mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davon. Allen gaben die Richter den dringenden Rat: "Entflechten Sie sich gegenseitig."

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