Stichwahl in Potsdam : Klare Sache für OB Jann Jakobs

Amtsinhaber Jann Jakobs gewinnt die Oberbürgermeisterwahl in Potsdam deutlich. Jetzt kann er bis 2018 weitermachen. Nur 42 Prozent der Potsdamer gingen bei der Stichwahl zu den Urnen.

von und Sabine Schicketanz
Glückwünsche vom Chef. Ministerpräsident Matthias Platzeck, bis 2002 selber Oberbürgermeister von Potsdam, zeigte sich auf der SPD-Wahlparty sichtlich erleichtert über den klaren Sieg seines Nachfolgers Jann Jakobs.
Glückwünsche vom Chef. Ministerpräsident Matthias Platzeck, bis 2002 selber Oberbürgermeister von Potsdam, zeigte sich auf der...Foto: dpa

Potsdam - Potsdams SPD-Genossen wollen ihren Augen kaum trauen. Die Stimmauszählung der Stichwahl läuft, und ihr Kandidat Jann Jakobs holt einen Potsdamer Stadtteil nach dem anderen: Kein rot-roter Wahlkrimi, keine Zitterpartie wie vor acht Jahren, als am Ende Jakobs nur mit 122 Stimmen Vorsprung in der brandenburgischen Hauptstadt gewann. Selbst in Zentrum Ost, vor zwei Wochen noch unangefochtene Hochburg des Linke-Konkurrenten Hans-Jürgen Scharfenberg, hat der Amtsinhaber jetzt die Mehrheit der Potsdamer hinter sich. Zumindest jener, die zur Wahl gegangen sind. Genauso in der Waldstadt I, einem Plattenbauviertel aus DDR-Zeiten mit großer Linke-Stammwählerschaft. Doch diesmal liegt Jakobs auch hier vorn. „Das ist das Ende der Ära Scharfenberg“, wird im „Café Hundertwasser“ im Potsdamer Logenhaus geraunt – dort feiert die SPD, auf parteineutralem Terrain, nicht in der Parteizentrale, aus Rücksicht auf die Kooperationspartner von CDU, Grünen und FDP, die Jakobs vor der Stichwahl unterstützten.

„Willkommen in der Hochburg der SPD“, ruft Thomas Kuster, ein Urgestein der Potsdamer SPD, während das Klatschen einsetzt. In der Menge ist auch die Journalistin Lea Rosh, voller Freude über den Jakobs-Sieg: „Das musste so sein, die Wahl eines früheren IMs am Tag der deutschen Einheit wäre unmöglich gewesen“, sagt sie. Dies sei eine „Ohrfeige für die Linken“, mit denen Matthias Platzeck leider im Land regiere. Der SPD-Partei- und Regierungschef, der selbst bis 2002 – vor Jakobs – Oberbürgermeister war, feiert vor Ort mit. „Potsdam hat die besten acht Jahre hinter sich. Das hat viel mit Jann Jakobs zu tun“, sagt Platzeck, dem die Erleichterung anzumerken ist: Endlich einmal eine gute Nachricht für die SPD, nach den Hiobsbotschaften der letzten Wochen, nach dem Rücktritt von Innenminister Rainer Speer. An diesem Abend ist es kein Thema.

In den sozialdemokratischen Freudentaumel über das 60-Prozent-Ergebnis ihres Oberbürgermeisters mischt sich Realitätssinn. Zu glauben, dass alle Jakobs-Stimmen SPD-Wähler seien, wäre vermessen, sagt der Unterbezirks- und Fraktionschef Mike Schubert. Dennoch sei das jahrelange Duell Scharfenberg gegen Jakobs nun entschieden. „Wir hoffen, der Dauerwahlkampf hat ein Ende.“ 8010 Stimmen hat Jakobs gewonnen im Vergleich zum ersten Wahldurchgang vor zwei Wochen, Scharfenberg nur 1604 – obwohl es statt fünf nur zwei Kandidaten gab. Dass es eine Niederlage geben würde, war der Potsdamer Linken zum Ende des Wahlkampfs klar. Auf eine Wahlparty hatte die Partei sicherheitshalber schon verzichtet. Stattdessen traf man sich im Rathaus. Während dort im Plenarsaal für Jakobs applaudiert wird, gönnt sich Scharfenbergs Wahlkampf-Stratege Sascha Krämer einen ruhigen Moment. „Es wird und muss einen Umbruch in der Partei geben“, sagt er. Nur 20 Prozent Wahlbeteiligung Am Schlaatz, eigentlich eine linke Hochburg, sei „ein Debakel“. Und weiter: „Wir heulen jetzt zwei Tage und dann muss ein sanfter Umbruch eingeleitet werden.“ Bis zur Kommunalwahl 2014 „müssen junge Leute aufgebaut werden. Eine Niederlage hat auch etwas Reinigendes.“

„Ohne einen Generationswechsel wird sich dieser Trend fortsetzen“, sagt Pete Heuer, der frühere Potsdamer Kreischef der Linken, der inzwischen in die SPD gewechselt ist, nicht zuletzt nach zermürbenden Auseinandersetzungen mit Scharfenberg. Und nun, Rot-Rot auch im Potsdamer Rathaus, wo die Linke die stärkste Stadt-Fraktion stellt? Die Stimmen sind kaum ausgezählt, als der unterlegene Scharfenberg, als Landeschef Thomas Nord Offerten an die SPD machen. Der Zeitpunkt für eine Zusammenarbeit beider Parteien in Potsdam sei gekommen, sagt Nord. Doch Jakobs, am Abend seines Sieges über Scharfenberg, dem er für Potsdam nur noch die Rolle eines „ernstzunehmenden Oppositionspolitikers“ zuweist, erteilt dem prompt eine klare Absage, zumindest bis zur nächsten Kommunalwahl 2013. Die Kooperation mit CDU, Grünen und FDP werde gewollt.“ Und Scharfenberg sagt ahnungsvoll: „Es wird in Potsdam nichts mehr so sein wie vor dieser Wahl.“

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