Berlin : Stifter wollen Stadtbad retten

Denkmalgeschützter Bau in der Oderberger Straße soll Gästehaus werden und Behinderte beschäftigen

Lars von Törne

Für das historische Stadtbad Oderberger Straße gibt es wieder Hoffnung. Nachdem im vergangenen Jahr der Plan gescheitert war, den denkmalgeschützten Bau in Prenzlauer Berg mit einer Millionenhilfe des Senats zu sanieren, will jetzt die private Stiftung Denkmalschutz Berlin helfen, das 1902 erbaute Haus zu retten. Vielleicht schon 2008 soll es wieder als Schwimmbad geöffnet werden. Es war 1986 wegen eines lecken Beckens geschlossen worden und diente in den vergangenen Jahren wegen seiner besonderen Architektur als Kulisse für Ausstellungen, Partys und Filmpremieren.

„Wir wollen das Vorhaben grundsätzlich fördern und erarbeiten derzeit ein Konzept, wie das Haus denkmalgerecht saniert werden kann“, sagte Reinhard Müller, Gründer und Vorstandsmitglied der Denkmalschutz-Stiftung am Dienstag. Das Stadtbad nach den Entwürfen des Architekten Ludwig Hoffmann sei „eines der herausragenden Objekte“ Berlins. In der Vergangenheit hat die Stiftung unter anderem das Brandenburger Tor saniert, derzeit wird unter anderem das Strandbad Wannsee saniert.

Bezirksbürgermeister Burkhard Kleinert (Linkspartei/PDS) wertet es als „großen Erfolg“, dass die Stiftung sich seit drei Monaten an den Gesprächen über die Rettung beteilige und einen größeren Anteil der Finanzierung übernehmen möchte. Jetzt sei „das Vorhaben, das seit Jahren die Gemüter in Prenzlauer Berg bewegt, wieder wahrscheinlich“.

Nach Vorstellungen der Genossenschaft, in der sich Anwohner seit langem für das Stadtbad engagieren, soll das Haus künftig mehr als nur ein Schwimmbad sein. Gemeinsam mit der Stiftung Denkmalschutz und anderen Beteiligten hat man ein Konzept erarbeitet, das auch ein „Dormitorium“ vorsieht, wie Jens Neumann von der Genossenschaft sagt, also eine Art Pension, in der unter anderem Schüler einer benachbarten Sprachenschule gastieren könnten. Ende Mai sollen letzte offene Fragen geklärt werden.

Wie groß der Anteil der Stiftung Denkmalschutz an den veranschlagten 17 Millionen Euro Baukosten sein wird, ist noch offen. Es ist die Rede von fünf bis zehn Millionen Euro, dazu kommen Spenden und Eigenmittel der Genossenschaft, für den Rest will man Kredite aufnehmen. Offiziell will sich Stiftungsvorstand Müller noch nicht auf eine Summe festlegen. Er hofft, dass auch das Land Berlin sich an dem Projekt beteiligt. Dem erteilt die Stadtentwicklungsverwaltung allerdings eine Absage: „Öffentliche Gelder wird es nicht geben“, sagt die Sprecherin von Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), Manuela Damianakis. Man begrüße das Engagement der Stiftung sehr, aber halte daran fest, was der Senat im vergangenen November beschlossen habe. Wegen der damals als unzureichend angesehenen Finanzierung hatte die Landesregierung eine Förderzusage über gut fünf Millionen Euro wieder zurückgezogen.

Die Stiftung Denkmalschutz hofft dennoch, dass das neue Konzept für das Stadtbad das Land zum Einlenken bewegt. Vorstandsmann Müller weist auf die geplante Zusammenarbeit mit der Gesellschaft „Lebenswege“ hin, die Behinderte betreut und ihnen Arbeit gibt. Man erwäge, das Bad von einem professionellen Betreiber führen zu lassen, der so weit wie möglich behindertes Personal beschäftigt. Durch diese Verbindung von Denkmalschutz und sozialem Anliegen werde das Stadtbad „ein großartiges Projekt“, dem sich auch der Senat nicht verschließen könne.

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