Stimmen aus Berlin : Gestrandet am Flughafen

Die Aschewolke legt die Berliner Flughäfen lahm, bis 20 Uhr geht geht voraussichtlich gar nichts in Tegel und Schönefeld. So ist die Lage vor Ort.

von , und Rainer During

Tausende Menschen sitzen und liegen auf dem Boden des Flughafens Tegel und warten auf ihren Abflug. Als Sitz muss das Gepäck herhalten, freie Stühle gibt es nicht mehr. Obwohl die Airlines die Passagiere aufgefordert haben nach Hause zu gehen, hoffen viele, doch noch starten zu können.

So auch 400 Fans von Alba Berlin: Sie wollten ihren Verein zum Saison-Höhepunkt nach Vitoria begleiten, wo Alba im Halbfinale des Eurocups am Samstag gegen den spanischen Vertreter Bizkaia Bilbao antritt. Ob die Alba-Anhänger einen Flug am Samstagmorgen nehmen können, ist fraglich. Das Team von Alba war bereits vor der Flughafensperrung am Donnerstag nach Spanien geflogen.

Zwei Kirchengemeinden aus Anhalt fahren enttäuscht nach Hause. Sie wollten nach Griechenland fliegen, die Reise hatten sie seit eineinhalb Jahren vorbereitet.

In Schönefeld werden die Plätze auf den Sitzbänken und auf dem Fußboden des Schönefelder Terminalteils der Fluglinie „Easyjet“ am späten Vormittag langsam rar. Mehr als 150 Passagiere suchen nach Sitz- und Ruhemöglichkeiten. Vor allem jugendliche Touristen aus Italien und Spanien schlagen ihr Quartier auf dem kalten Boden auf. Dort legen sie sich entweder gleich zur Ruhe, spielen mit ihren Handys oder mit Karten. „Wir sind seit 5 Uhr auf den Beinen und hoffen jetzt auf einen Heimflug nach Rom am späten Abend“, sagt der Reiseleiter.

Einer rund 30-köpfigen Reisegruppe aus Dresden geht es nicht anders. „Wir sind am frühen Vormittag in Schönefeld eingetroffen und wollten kurz nach 12 Uhr nach Rom abheben“, erzählt Friedrich Hanusch. „Nun gibt es keinen Flug mehr, sodass wir nun mit dem Bus nach Italien fahren werden. Der Busfahrer, der schon auf dem Rückweg war, kommt jetzt hoffentlich bald wieder zurück nach Berlin.“

Von Panik oder Hektik kann im ganzen Flughafen keine Rede sein. Zahlreiche Angestellte des Airports und der Airline geben Auskunft, wenn auch teilweise in etwas unverständlichem Englisch. Die meisten Passagiere haben Verständnis für die Absagen. „Lieber warten wir hier, als dass wir uns in Gefahren begeben“, meint die 24-jährige Alexandra Romanowna aus Moskau. Allerdings haben zahlreiche Landsleute erstaunlicherweise noch nichts von den Turbulenzen gehört. Sie stehen ziemlich hilflos vor den TV-Bildschirmen und verfolgen die aktuellen Nachrichten.

Als ein großes Manko erweist sich die fehlende Auskunftsstelle der Deutschen Bahn. „Wir versuchen telefonisch eine Zugverbindung nach Süddeutschland zu erfragen, aber wir haben keine Chance“, klage ein Student auf dem Weg nach München. Nun muss er sich zu Fuß auf dem Weg zum Bahnhof machen.

„Völlig ausgebucht“, heißt es bei den Autovermietern auf dem Flughafen Schönefeld. Am Wochenende seien Autos ohnehin gut nachgefragt, aber durch die Flugausfälle stünden nun gar keine Fahrzeuge mehr zur Verfügung. Nachfragen an den Schaltern von Europcar, Hertz, Avis und Sixt enden mit einem Kopfschütteln des Personals. Lediglich Sixt will sich bemühen, im Laufe des Tages Fahrzeuge zu beschaffen. Allerdings dürften diese nur ins Ausland gesteuert werden, wenn sie auch wieder nach Deutschland eigenhändig zurückgebracht würden. Das aber wollen die wenigsten Interessenten.

Um den Passagieren die Umbuchungen zu erleichtern, gab Easyjet die Computer an den Abfertigungsschaltern frei. So saßen plötzlich hinter dem Tresen statt der Angestellten ganz normale Touristen, die die Internetseite aufrufen konnten. Dieser Schritt trug wesentlich zur Entspannung der Lage bei.

Mehrere Berliner Hotels ergriffen die Chance auf zusätzliche Gäste und schickten Angestellte nach Schönefeld, um Passagieren eine Übernachtung anzubieten. Diese konnten gleich in einen wartenden Shuttlebus einsteigen. Das Eurohotel Berlin Airport in der Rudower Straße warb mit einem Sonderpreis von 45 Euro pro Zimmer. Das Frühstück schlug mit 12 Euro extra zu Buche. Dankend nahmen viele Touristen die Angebote an.  

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