Stimmen ausgezählt : Anwohner lehnen Umbenennung der Treitschkestraße klar ab
19.12.2012 14:04 UhrRund 300 Anwohner der Treitschkestraße haben abgestimmt, ob Heinrich von Treitschke,der antisemitische Historiker der Kaiserzeit, bleiben darf, auf dem Straßenschild in Steglitz und in den Stadtplänen Berlins, oder ob er abgeschraubt wird und in einer Asservatenkammer verschwindet. Nun ist das Ergebnis da, und es ist eindeutig: Mit 226 zu 64 Stimmen haben die Anwohner die Umbenennung abgelehnt, 15 Stimmen waren ungültig.
Nürnberg und Heidelberg haben schon den Daumen gesenkt über Treitschke, München und Karlsruhe halten noch an ihm fest - Berlin hat sich nun eingereiht.
Viele Treitschkestraßen entstanden in der NS-Zeit, in Berlin wurde er schon 1906 aufs Schild gehoben. Von Treitschke stammt der Ausspruch: „Die Juden sind unser Unglück.“
In Steglitz-Zehlendorf konnte sich die Zählgemeinschaft aus CDU und Grünen jahrelang nicht über eine Umbenennung einig werden. Deshalb beschlossen die Bezirkspolitiker, die Entscheidung den Anrainern zu überlassen. Eigentlich hat die Bezirksverordnetenversammlung in diesen Dingen das Sagen. Viele Umbenennungen – wie zuletzt die Rudi-Dutschke-Straße in Kreuzberg – entfachen heftige Debatten um die Ehrwürdigkeit des zu Ehrenden und die bürokratischen Mühen der Adressänderung. In Steglitz-Zehlendorf hätte ein Sponsor zumindest einen Teil der Kosten übernehmen wollen.
Der nächste Kandidat für eine Umbenennung könnte Paul von Hindenburg sein, ebenfalls in Steglitz. Am Hindenburgdamm gibt es bereits eine Bürgerinitiative, allerdings kämpft sie für die Einführung von Tempo 30. Hindenburg war bislang kein Thema, sagt Anwohnerin Ramona Bienlein, aber sie könne sich eine Umbenennung durchaus vorstellen, vielleicht zu Ehren Willy Brandts. In der Schule in Bayern habe sie Hindenburg noch als „tollen alten General“ kennengelernt, inzwischen sehe sie ihn natürlich anders.
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Die Ehrung durch Straßen- oder Platznamen erfolgt im Gegensatz zur Ehrenbürgerschaft posthum. Die Botschaft ist dabei vergleichbar: Erinnere dich! Verdiente Straßenbürger sind öffentlich deutlich präsenter als die 116 Berliner Ehrenbürger, von denen nur rund die Hälfte einen Platz in der Porträtgalerie im Abgeordnetenhaus erhalten hat.





















