Berlin : Stölzl stützt die Professoren

CDU-Chef: Wissenschaftsstandort ist in Gefahr, wenn die Hochschulen 200 Millionen Euro sparen

Barbara Junge

Nicht nur die Hochschulen wehren sich gegen die jüngsten Sparvorhaben von Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD). Ihnen zur Seite steht der CDU-Landesvorsitzende und frühere Kultursenator Christoph Stölzl. Nach Stölzls Auffassung ist das neueste Ansinnen Sarrazins, mittelfristig weitere 200 Millionen Euro aus den Hochschuletats zu kürzen, alles andere als geeignet, den Wissenschaftsstandort Berlin voranzubringen. „Die Hochschulen sind ein Kernstück der Kompetenz dieser Stadt“, warnte Stölzl vor Radikalkuren. Die forschungsnahe Industrie sei einer der bedeutendsten Standortvorteile, den dürfe man nicht verspielen.

Stölzl ist durchaus der Meinung, dass die Hochschulen, gerade angesichts der Kassenlage, einer Reform unterzogen werden müssen. Wogegen er sich jedoch wendet, ist ein rein fiskalischer Blick. „Nur an den Zahlen etwas zu ändern hat sich in den vielen Reformprojekten der letzten Zeit als untauglich erwiesen“, sagt Stölzl. Er ist überzeugt, alle Beteiligten müssten an einen Tisch, dann würde die komplette Struktur diskutiert. Im Sinn hat er eine Debatte, die offen ist etwa für die Frage von (sozial gestaffelten) Studiengebühren oder für das Modell einer Stiftungsuniversität.

Die Hochschulexpertin der CDU, Monika Grütters, kommentiert die vorgeschlagene Sparsumme noch deutlich schärfer. „Es wäre ein kapitaler Fehler“, sagt Grütters. Nach den bisherigen Kürzungen noch einmal eine solche Summe zu streichen würde für Berlin einen „Paradigmenwechsel“ bedeuten. Deutlich weniger Studienplätze wären die Folge – „und wir liegen jetzt gerade im Durchschnitt der Länder“, warnt Grütters; jede weitere Absenkung wäre eine unter Niveau. Zudem gibt sie zu Bedenken, dass der Wissenschaftsbereich der derzeit einzige ist, der Zukunftssicherung für Berlin bedeute. Jährlich entstünden immerhin etwa 6000 hochqualifizierte Arbeitsplätze durch die Drittmittelforschung. Jede Kürzung würde auch einen Verlust von Drittmitteln zur Folge haben. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) betonte am Sonntag, der Sparplan sei ein Gedanke Sarrazins, jedoch noch nicht politisch diskutiert.

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