Strafanstalten : High-Tech-Zaun für den Jugendknast

Die Sicherheit Berliner Gefängnisse soll erhöht werden. Dafür wurden in Charlottenburg extra Trennwände aus Glas im Besuchersaal installiert. In der Jugendstrafanstalt Plötzensee wird ein zusätzlicher Zaun gebaut.

Jörn Hasselmann
Plötzensee
Nach dem Schmuggel-Skandal im August 2007 wurden bereits die Fenster der Anstalt zusätzlich gesichert. -Foto: ddp

Die Justizverwaltung hat die Sicherheitsvorkehrungen in mehreren Berliner Gefängnissen deutlich verschärft. In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Charlottenburg wird seit einigen Tagen ein neuer Besuchersaal genutzt, in dem Gefangene und Besucher keine oder kaum noch Kontaktmöglichkeiten haben. Sie werden jetzt von verschiedenen Seiten in einen Raum geführt, der durch eine Tischreihe in zwei Hälften geteilt ist. Auf der Tischreihe ist zudem eine etwa 40 Zentimeter hohe Glaswand aufgestellt. Verboten sei ab sofort auch, dass Insassen ihre Gäste mit Kaffee und Kuchen bewirten. Dies berichteten Gefangene telefonisch. Bislang gab es eine derart scharfe Trennung nur in der U-Haft in Moabit – weil Untersuchungsgefangene bis zum Prozess stärker abgeschottet werden müssen. In Tegel, Deutschlands größtem Gefängnis, sitzen Besucher und Gefangene nach wie vor gemeinsam an Vierertischen.

Die Justizverwaltung bestätigte gestern die Verschärfung in Charlottenburg. Der Umbau sei aus zwei Gründen erfolgt, sagte ein Justizsprecher. So soll das Einschmuggeln von verbotenen Gegenständen erschwert werden und vor allem eine weitere spektakuläre Flucht wie im Oktober letzten Jahres verhindert werden. Damals war der Intensivtäter Firat I. mit dem Ausweis eines Besuchers aus dem Besuchersaal in die Freiheit spaziert. Das Fehlen von Firat I. war zunächst nicht bemerkt worden. Deshalb durfte dann auch der Besucher die Anstalt verlassen – ohne Ausweis und Besuchermarke. Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) war wegen dieser Pannen massiv unter Druck geraten.

Häftlinge kritisierten, dass die Vorschriften in Charlottenburg nun noch schärfer sind als in Moabit – so ist in Moabit die Trennscheibe nur halb so hoch. Zudem behaupten Gefangene, dass seit einer Woche keinerlei Körperkontakt mehr erlaubt sei. „Ich durfte nicht einmal mein Kind umarmen“, sagte einer. Ein Justizsprecher sagte dagegen, dass zu Besuchsbeginn „eine Umarmung erlaubt sei“. Experten gehen davon aus, dass Anwälte und das Personal das meiste ins Gefängnis schmuggeln – sie werden beim Betreten und Verlassen nicht kontrolliert werden.

In der nahe gelegenen Jugendstrafanstalt (JSA) Berlin wird derzeit ein zusätzlicher, elektronisch gesicherter Innenzaun gebaut. Er soll an heiklen Stellen sowohl Fluchten aus wie auch das Herüberwerfen von Gegenständen in die JSA erschweren. Wie gestern berichtet, wird dort weiterhin versucht, Drogen oder Telefone über den Zaun zu werfen. So waren am Freitagabend zwei junge Libanesen von der Polizei festgenommen worden, die Alkohol und Drogen über die Mauer geworfen hatten. Die Justiz betonte gestern, dass die Sachen nicht in die Hände von Gefangenen gelangt wären.

Nach einem durch einen Fernsehbericht im August 2007 ausgelösten Skandal über das Ausmaß des Schmuggels in die Anstalt waren die Zellenfenster zusätzlich mit einem massiven Stahlmaschendraht gesichert worden. Zuvor hatten sich die Jugendlichen die über die Mauer geworfenen Päckchen mit einer Art Angelschnüre in die Zellen geholt.

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