Straßenverkehr : Tempo 30 für die ganze Stadt?

Verkehrssenatorin Junge-Reyer hat eine Zwischenbilanz zu Tempo-30-Zonen vorgestellt. Dafür erntet sie von verschiedenen Seiten Kritik - den Grünen gehen die bestehenden Zonen nicht weit genug.

Berlin - Die Grünen fordern Tempo 30 im gesamten Nebenstraßennetz. Die Geschwindigkeitsbegrenzung soll auch auf Straßen und Kreuzungen mit vielen schweren Verkehrsunfällen eingeführt werden, sagte die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, Claudia Hämmerling. Der Senat solle eine Bundesratsinitiative einleiten, bei der Tempo 30 zur Regel und höhere Geschwindigkeiten zur erlaubten Ausnahme gemacht würden. Der Senat sei meilenweit von seinem selbstgesteckten Ziel entfernt, die Zahl der Verkehrstoten bis 2010 um 30 Prozent zu senken, fügte Hämmerling hinzu. Bislang seien die Zahlen unverändert hoch. "Im vergangenen Jahr wurden 74 Menschen im Straßenverkehr getötet", betonte Hämmerling.

Der verkehrspolitische Sprecher der FDP, Klaus-Peter von Lüdeke, bezeichnete die Zwischenbilanz der Tempo-30-Zonen von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) als "dubios". Die Messdaten berechtigten zu "erheblichen Zweifeln". Junge-Reyer sieht in Tempo-30-Zonen ein geeignetes Mittel zur Reduzierung von Luftschadstoff- und Lärmbelastungen. "Die Ergebnisse nach einem Jahr Tempo 30 in ausgewählten Hauptverkehrsstraßen sind in der Tendenz positiv", sagte die Politikerin.

In überwachten Tempo-30-Abschnitten nehme die mittlere Geschwindigkeit um bis zu 15 Prozent ab. Dadurch sinke auch die Lärmbelastung, fügte Junge-Reyer hinzu. Ebenso könne durch Tempo 30 auch die Belastung durch Feinstaub um rund fünf Prozent und die um Stickoxid um etwa 13 Prozent nachweislich reduziert werden. Ob die Verkehrssicherheit signifikant zunehme, könne nach einem Jahr Beobachtung der Unfallzahlen in Tempo-30-Abschnitten noch nicht abschließend gesagt werden. Aber auch hier sei die Tendenz deutlich: "Dort, wo die Geschwindigkeit deutlich gemindert wurde, ging sowohl die Zahl der Unfälle als auch die Schwere der Verkehrsunfälle zurück", betonte die Senatorin. (tso/ddp)

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