Streik an der Charité : 500 Pflegekräfte legen Arbeit nieder

Der erste Streiktag an der Charité war wohl ein Erfolg für die Schwestern und Pfleger – an diesem Dienstag wollen sie am Leopoldplatz demonstrieren.

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Der erste Streiktag war ein Erfolg für die Protestler.
Der erste Streiktag war ein Erfolg für die Protestler.Foto: dpa

Ganz so sicher war er sich vielleicht doch nicht mehr. Schließlich drehen sich erfolgreiche Streiks meist um mehr Lohn. Carsten Becker aber – 49 Jahre alt, Pfleger, Personalrat und Kopf der Verdi-Betriebsgruppe der Charité – geht es um etwas anderes: mehr Personal, mehr Zeit für die Patienten. Als sich dann am Montag, ganz früh im Nieselregen, immer mehr Schwestern und Pfleger vor den Toren der Charité-Häuser sammelten, wusste Becker: Schon am ersten von zwei geplanten Streiktagen konnte Verdi mehr als die erwarteten 500 Charité-Mitarbeiter mobilisieren.

Verdi zahlt Streikgeld selbst an Neumitglieder

Ein Sprecher der landeseigenen Universitätsklinik sagte, die Streikenden hätten trotz des Ausstandes wie vereinbart „verantwortungsbewusst“ Notfälle behandelt. Auch im Berliner Senat nimmt man die Belegschaft ernst, Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) trifft sich bald mit den Verdi-Delegierten. Zusammen mit einem Dutzend kritischer Schwestern und Pfleger drängte Becker vor zwei Jahren seine Gewerkschaft zu der ungewöhnlichen Tarifforderung: In jeder Schicht auf jeder Station der Universitätsklinik soll es mehr Personal geben, vor allem nachts soll keine Schwester mehr allein Dienst haben. Die Charité-Spitze willigte in die Verhandlungen ein, stellte solche Personalmindestquoten zuletzt aber nur für Intensivstationen in Aussicht.

Verdi rief zum Streik – der auch intern umstritten war. Und siehe da: Auf den Campussen in Steglitz, Mitte und Wedding sind am Montag noch schnell Pfleger der Gewerkschaft beigetreten, die bislang nicht organisiert waren. Verdi-Aktive führten vor jedem der Streiklokale pflichtbewusst Listen, denn auch die Neumitglieder bekommen ein – wenn auch reduziertes – Streikgeld aus der Gewerkschaftskasse. Diesen Dienstag wollen die Pflegekräfte vom Virchow-Klinikum zum Leopoldplatz in Wedding demonstrieren.

Arbeitskämpfe auch in anderen Kliniken

Am Montag streikten auch die Azubis der Vivantes-Tochter „Forum für Senioren“ und des Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikums. Sie fordern den vollen Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes. In den meisten Kliniken decken die derzeitigen Finanzierungsregeln die Kosten nicht: Eigentlich müssen die Bundesländer die Bauten und die Technik bezahlen, die Krankenkassen das Personal und die Medikamente. Allerdings sind Landesmittel knapp. Die Kassen befürchten also nicht ganz zu Unrecht, sollten sie zusätzliches Geld ausschütten, dass diese Mittel für Modernisierungen statt für mehr Personal ausgegeben werden. Carsten Becker hat also noch viel zu tun.

Lesen Sie auch den Kommentar von Hannes Heine zum Charité-Streik und seiner bundesweiten Bedeutung: "Ein krankes System".

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