Streik : Besitzer von U-Bahn-Läden wollen die BVG verklagen

Alexander Dehn sieht nicht ein, warum sein Internetcafé im U-Bahnhof Adenauerplatz während des Streiks geschlossen bleiben muss. Bei zehn Streiktagen rechnet er mit fünf bis acht Millionen Euro Einbußen für die insgesamt 375 Läden in den Berliner U-Bahnhöfen.

Laura Wieland

 „Es gibt elf Läden in der Passage am Adenauerplatz“, sagt Dehn. „Die Bahngleise liegen einen Stock darunter.“ Man könne ohne Probleme die Passagen öffnen und die Zugänge zu den Bahnsteigen schließen. Die Ladenbetreiber hätten der BVG laut Dehn angeboten, das Wachpersonal selbst zu bezahlen. Doch als Antwort habe es nur geheißen, dass Streik „höhere Gewalt“ sei.

Nun will Dehn eine Sammelklage anstrengen: „Nur gemeinsam haben wir eine Chance“, sagt er. Ein Anwalt prüfe, ob die Regelung im Mietvertrag rechtens ist. Darin heißt es: Sollte das Bahnhofsgelände geschlossen werden, sind die Mieter 30 Tage dazu verpflichtet, die Kosten für den Geschäftsausfall zu tragen.

Der Lidl-Supermarkt im U-Bahnhof Innsbrucker Platz ist dagegen geöffnet. „Die BVG misst mit zweierlei Maß“, sagt Dehn. „Vor einem Konzern wie Lidl haben sie Angst und machen die Tore auf.“ Das sei ein großer Kampf gewesen, sagt Lidl-Sprecherin Petra Trabert. Außerdem gebe es nur über eine Brandschutztür Zugang zu den Gleisen. „Wir haben viele Gespräche mit der BVG geführt.“

Lidl habe vielmehr eine einstweilige Verfügung erwirkt, erklärt BVG-Sprecherin Petra Reetz. Das Schlupfloch: „Lidl hat einen alten Vertrag.“ Die Ladenfläche werde als einzige nicht über die BVG-Tochter Urbanis vermietet, sondern direkt über die BVG. Das soll sich noch in diesem Jahr ändern. Reetz räumt ein, dass die „absolute Gleichbehandlung“ aller Ladenbetreiber notwendig sei: Die BVG habe aber nicht genug Wachpersonal, um die Verkehrssicherheit zu garantieren. Deswegen müssten alle Bahnhöfe geschlossen bleiben und damit auch die Läden – selbst dann „wenn es Ecken gibt, an denen man eine andere Lösung finden könnte.“ Laura Wieland

Ladenbesitzer, die sich der Sammelklage anschließen wollen, können sich per E-Mail an adenauerplatz@gmx.de wenden.

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