Streik zur Prüfungszeit : Eltern und Schüler erbost über Gewerkschaftspläne

Trotz Abitur- und MSA-Klausuren planen die angestellten Pädagogen den Arbeitskampf. Die Gewerkschaft wirbt um Verständnis – mit begrenztem Erfolg.

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Volle Konzentration. Die könnte allerdings leiden, wenn die Lehrer streiken. Foto: dpa
Volle Konzentration. Die könnte allerdings leiden, wenn die Lehrer streiken.Foto: dpa

Die Stimmung wird gereizter: Der geplante Warnstreik angestellter Lehrer während der Prüfungen zum Abitur und zum Mittleren Schulabschluss (MSA) am Dienstag belastet das Verhältnis zwischen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und den Gremien der Eltern und Schüler. Deshalb hat die Tarifkommission jetzt in einem offenen Brief um Unterstützung gebeten und dem Senat die Schuld für die Eskalation gegeben. Zudem bekräftigte die GEW-Spitze am Donnerstag ihr Vorhaben und begründete die umstrittene Terminierung mit zeitlichen Zwängen.

„Da wir nicht bis nach den Sommerferien warten wollen, müssen wir jetzt handeln“, erläuterte einer der drei GEW-Vorsitzenden, Hartmut Schurig, die Entscheidung. Den Spielraum im Mai brauche seine Gewerkschaft, „um steigerungsfähig zu sein“, also mit weiteren Streiks reagieren zu können, falls Finanzsenator Ulrich Nußbaum (für die SPD) nicht an den Verhandlungstisch zurückkehre. Geplant ist bereits eine „Aktionswoche“ Mitte Mai, wenn weitere Abitur-, MSA- und Drittklässlerprüfungen stattfinden.

Dennoch wollte Dehring am Donnerstag den Eindruck vermeiden, dass die GEW absichtlich die Prüfungstage ausgewählt habe: Da in den nächsten Wochen ständig irgendwelche Prüfungen seien, gebe es keine andere Möglichkeit, betonte der Gewerkschafter, der auch Mitglied der Tarifkommission ist.

Landesschülersprecherin Alea Mostler appelliert hingegen an die GEW, „besonders während der kommenden Prüfungszeit jeden zusätzlichen Unterrichtsausfall zu vermeiden“. Dabei bekräftigte sie ausdrücklich, dass sie hinter den GEW-Forderungen nach gleicher Bezahlung von verbeamten und angestellten Lehrern stehe. Mostler warnte auch vor der drohenden Abwanderung junger Lehrer in andere Bundesländer. Dennoch sei der Termin am kommenden Dienstag „unpassend“, denn Abitur und MSA seien nun einmal Prüfungen, die „für das Leben“ wichtig seien. Mostler fände es „nicht in Ordnung, wenn ein Lehrer streikt, dessen Kurs oder Klasse an dem Tag eine Prüfung hat“.

Laut GEW haben bislang rund 1000 der 8000 angestellten Lehrer ihre Streikbereitschaft bekräftigt. Nach Informationen des Tagesspiegels sind darunter auch Lehrer, deren Schüler von den Prüfungen betroffen sind. Paul Schuknecht von der Vereinigung der GEW-Schulleiter findet dies „unerträglich“: Es tue ihm, „um die Schüler leid, die ihre Lehrer vermissen“. Es sei schon allein für die Atmosphäre während einer solchen Prüfung wichtig, dass der Lehrer vor Ort sei, der seine Schüler mitunter seit Jahren unterrichtet habe.

Auf die Frage, ob sich die Elternschaft noch nicht beklagt habe, sagte die GEW- Vorsitzende Doreen Siebernick: „Noch sind keine Eltern schriftlich an uns herangetreten und haben das Gespräch gesucht.“ Allerdings hat der Landeselternausschuss im Februar mit großer Mehrheit in einem Beschluss gefordert, die diesjährigen Prüfungen nicht durch den angekündigten Streik zu beeinträchtigen.

Die GEW lässt sich davon nicht beeindrucken. Stattdessen moniert sie in ihrem offenen Brief, dass der Senat die Tarifkommission nicht ernst nehme. Der Finanzsenator habe es nicht einmal für nötig gehalten, ein Schreiben an die Tarifkommission persönlich zu unterzeichnen. „Sorgen sind das“, wunderte sich darüber der Vater einer Abiturientin, die am Dienstag ihre Prüfung bewältigen muss.

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