Streit in Berlin um Bademeister-Gehälter : In den Bäderbetrieben drohen wilde Streiks

Die Bäderbetriebe streiten sich mit ihren Angestellten um einen Tarifvertrag, der nach Ansicht der Chefs viel zu starr ist. Der Unmut der Beschäftigten ist so groß, dass sogar wilde Streikaktionen drohen. Am Mittwoch tagt der Aufsichtsrat.

von
Die Sommerbäder könnten in diesem Jahr früher schließen als üblich.
Die Sommerbäder könnten in diesem Jahr früher schließen als üblich.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Stimmung in der Belegschaft der Bäderbetriebe ist am Boden. Seit Monaten schwelt ein Tarifkonflikt. Der Gesprächsfaden zwischen Geschäftsführung und Personalrat ist abgerissen. In den Sommermonaten könnte es zu wilden Streikaktionen kommen, verlautet aus dem Umfeld der Mitarbeiter. Offiziell hält sich die Gewerkschaft Verdi bedeckt. Da es für die 780 Bäderbetriebs-Mitarbeiter einen gültigen Tarifvertrag gibt, dürfen sie derzeit nicht streiken.

Das zerrüttete Verhältnis zwischen Bäderchef Ole Bested Hensing und seinen Mitarbeitern dürfte auf der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch zur Sprache kommen. Hensing will Personalkosten sparen und gleichzeitig neues Personal einstellen. 60 Stellen seien nötig, um die frisch sanierten Bäder in Gropiusstadt, an der Finckensteinallee und in Spandau-Süd wieder in Betrieb nehmen zu können, sagte Bädersprecher Matthias Oloew.

Dafür brauchen die Bäderbetriebe mehr Geld vom Senat, und die Haushälter des Parlaments werden wohl zustimmen, signalisieren die sportpolitischen Sprecher von SPD und CDU. „Es gibt Bereitschaft, mehr Geld zu geben“, sagt der SPD-Abgeordnete Dennis Buchner. "Wer A sagt, muss auch B sagen", sekundiert Peter Trapp von der CDU. Derzeit erhalten die Bäderbetriebe jedes Jahr 45 Millionen Euro für den laufenden Betrieb und fünf Millionen Euro für Investitionen. Die Betriebskosten belaufen sich auf rund 70 Millionen Euro im Jahr.

Im Sommer verdienten die Bademeister mehr Geld

Ablehnen wird der Aufsichtsrat wohl die Pläne von Hensing, die Bäder Gropiusstadt und Spandau-Süd an private Betreiber zu verpachten. Dagegen hatte sich auch der Sportausschuss ausgesprochen. Der aktuelle Tarifkonflikt dreht sich um den sogenannten „Sommerbad-Tarifvertrag“, der schon 2012 gekündigt, aber 2013 noch angewendet wurde. Nach Angaben der Geschäftsführung erhielten die Bademeister nach diesem Tarifvertrag ein Drittel mehr Gehalt in den Sommermonaten. Dafür leisteten sie bei gutem Wetter jede Menge Überstunden. Wenn es regnete, konnten sie nach ihrer üblichen Ächtstundenschicht nach Hause gehen.

Dieses großzügig entlohnte Bereitschaftsmodell will Hensing nicht fortführen. Auch starre Betriebsvereinbarungen, die Einsatzorte über einen längeren Zeitraum festlegen und Überstunden von der Zustimmung des Personalrats abhängig machen, sind dem Manager ein Dorn im Auge. Die Gewerkschaft Verdi und der Personalrat wollen zumindest eine abgespeckte Variante des alten Sommerbad-Vertrags durchsetzen und nicht auf ihre Mitbestimmungsrechte verzichten.

Die Fronten seien inzwischen verhärtet, bestätigen Geschäftsführung und Verdi. Beide Seiten werfen sich eine „Blockadehaltung“ vor. Aufseiten der Mitarbeiter gebe es kaum noch Bereitschaft, Überstunden zu machen, sagte Verdi-Bereichsleiter Werner Roepke. Da ohnehin akuter Personalmangel herrsche, bedeute das für die Sommersaison, dass Bäder pünktlich um 20 Uhr schließen und nicht, wie sonst üblich an schönen Tagen, noch zwei Stunden zusätzlich offen bleiben.

Öffnungszeiten der Hallenbäder werden wieder eingeschränkt

Im vergangenen Sommer hatten die Bäderbetriebe erstmals die Hallenbäder durchgehend offengehalten, um ihren Sportschwimmern eine Alternative zu den oft übervollen Außenbecken zu bieten. In diesem Sommer werde es möglicherweise wieder zu Einschränkungen bei den Hallenzeiten oder vorübergehenden Schließungen kommen, erklärte Bädersprecher Oloew. Roepke vermutet, dass in Spitzenzeiten auch Attraktionen wie Rutsche oder Sprungturm aus Personalmangel geschlossen werden könnten. Das wiesen die Bäderbetriebe zurück.

Im "Bäderkonzept 2020" mit dem Neubau von drei bis fünf Kombibädern und mehr Attraktionen für Jugendliche und Familien fühlen sich die Mitarbeiter nicht gewürdigt. „Es gibt keine Augenhöhe. Wir wollen aber mitentscheiden“, sagt Roepke. Bädersprecher Oloew erklärt dagegen, man müsse „an allen Stellschrauben“ drehen, um die Bäderbetriebe zu einem „modernen öffentlichen Unternehmen“ zu entwickeln. „Kein kommunaler Badbetreiber in Deutschland arbeitet so wie die Bäderbetriebe.“

Die Kostendeckung der Berliner Bäder sei mit 20 Prozent „einmalig niedrig“. In Städten wie München würden 60 Prozent der Kosten erwirtschaftet. Die erhöhten Eintrittspreise hätten im ersten Quartal die Einnahmen um zehn Prozent wachsen lassen. Dennoch reißt die Kritik daran nicht ab. Nutzer des Prinzenbads in Kreuzberg haben schon 500 Unterschriften gegen die Preiserhöhung gesammelt. Anfang Juli sind weitere Protestaktionen geplant.

Autor

10 Kommentare

Neuester Kommentar