Streit über Klassen für Hochbegabte : SPD: Obergrenze erreicht Verwirrung in Pankow

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Zwischen den Regierungsparteien SPD und CDU bahnt sich ein erster schulpolitischer Konflikt an. Anlass ist das Vorgehen der SPD-geführten Bildungsverwaltung gegenüber dem Pankower Rosa-Luxemburg-Gymnasium: Die auf Hochbegabtenförderung spezialisierte Schule darf im Sommer statt drei nur zwei sogenannte Schnelllerner-Klassen aufmachen. Somit müssten 30 Kinder, die alle Aufnahmebedingungen erfüllen, abgewiesen werden. Begründet wird die Entscheidung damit, dass das berlinweite Kontingent für grundständige Klassen erschöpft sei. Der Schulleiter hat den Eltern dennoch am Montag Zusagen zugeschickt und beruft sich auf eine Genehmigung seiner direkten Vorgesetzten. Dem entgegen steht aber die Absage durch den Abteilungsleiter. Wie dieser Dissens zustande kam, ließ sich am Dienstag nicht klären.

Der Vorfall ist auch deshalb brisant, weil der Leiter des Gymnasiums, Ralf Treptow, Vorsitzender des Verbands der Oberstudiendirektoren ist. Dessen Ehrenvorsitzender Harald Mier warnte am Dienstag davor, dass „eine Schlechterstellung der Schule des Verbandvorsitzenden nicht nur schlechter Stil wäre, sondern auch einen sinnvollen, respektvollen, seit Jahren praktizierten Umgang miteinander auf den Kopf stellen würde“. Mier forderte, diese „politisch hoch brisante Entscheidung“ nicht einem Abteilungsleiter zu überlassen. Hier sei die Bildungssenatorin gefragt. Mier vermutet, dass sich die Eltern einklagen könnten, da sie schriftliche Zusagen erhalten hätten.

Die Bildungsverwaltung argumentiert nicht nur mit der erreichten Obergrenze der genehmigten Züge für Hochbegabte, sondern auch damit, dass in der Luxemburg-Schule zu wenig Platz für reguläre Züge ab Klasse 7 bliebe, wenn drei fünfte Klassen eröffnet werden. In diesem Punkt bekommt die Verwaltung Rückendeckung von Pankows Bildungsstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD). Sie sei „aus Bezirkssicht durchaus zufrieden, wenn auch begabte Kinder ab Klasse 7 noch die Chance haben, auf diese ausgezeichnete Schule zu gehen“. Die Elterninitiative der Luxemburg-Schule äußerte hingegen „große Bestürzung“ über die Absage. Die CDU-Fraktion nannte die Entscheidung der Verwaltung „nicht nachvollziehbar“ und meldete beim Koalitionspartner „Gesprächsbedarf“ an. Es müsse ein „flächendeckendes Angebot für Hochbegabte“ geben, sagte die bildungspolitische CDU-Sprecherin Hildegard Bentele. Ihre Fraktion schlage deshalb vor, die Klasse zu genehmigen. Susanne Vieth-Entus

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