• Streit um Bahn-Ausbau in Berlin-Lichtenrade: Koalition will den Bahntunnel - nur Senator Geisel schweigt

Streit um Bahn-Ausbau in Berlin-Lichtenrade : Koalition will den Bahntunnel - nur Senator Geisel schweigt

Die Lichtenrader fordern einen Bahntunnel, der Bezirk Tempelhof-Schöneberg sowieso, CDU und SPD auch. Nur Senator Geisel hält sich weiter bedeckt.

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Politiker und Verbandsvertreter beim Vororttermin in Lichtenrade.
Politiker und Verbandsvertreter beim Vororttermin in Lichtenrade.Foto: Thomas Loy

Die Lichtenrader sind sauer. Da hatten sie jahrelang gedacht, der Ausbau der Dresdner Bahn werde im Tunnel erfolgen, um den Ortsteil nicht durch eine mehrgleisige Barriere mit Lärmschutzwänden zu trennen. Da beantragte die Bahn doch den oberirdischen Ausbau und erhielt dafür auch noch Unterstützung von Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD). Der hatte im Januar gesagt, die Tunnellösung würde den Bahnausbau zum neuen Flughafen weiter verzögern und sei erheblich teurer. Zudem würde die Baustelle die S-Bahn jahrelang blockieren und die Anwohner mit unzähligen Lkw-Ladungen voll Erdaushub belasten.

Geisel "hätte auch gerne einen Tunnel"

Bei einem Vororttermin am Freitag nahm der SPD-Abgeordnete Frank Zimmermann seinen Senator in Schutz. Der habe eigentlich nur die Argumente der Gegenseite „mitgeteilt“. Geisel „hätte auch gerne einen Tunnel“. Geisels Sprecher Martin Pallgen relativiert wiederum diese Aussage. Es gebe drei Ausbauvarianten: oberirdisch, Tunnel mit S-Bahn und Tunnel ohne S-Bahn. Geisel lege sich derzeit nicht fest, welche er bevorzuge. Auch die Bürgerinitiative Dresdner Bahn und die Grünen bleiben skeptisch. Geisel hätte sich ja korrigieren können. Habe er aber nicht, sagte der BI-Vorsitzende Manfred Beck. Der Regierende Bürgermeister sollte ihn doch mal in die Schranken weisen, ergänzte Ulrich Hauschild von der Grünen-BVV-Fraktion.

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Der verkehrspolitische Sprecher der CDU Oliver Friederici erklärte, die Position der Koalitionsfraktionen sei klar. Es werde ein Tunnel im Schildvortrieb favorisiert. Die Tunnelforderung sei im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Im Doppelhaushalt 2016/17 werde man erste Planungskosten einstellen, verbunden mit dem Vermerk: Nur abrufbar für eine Tunnellösung.

Mehrkosten: 100 bis 230 Millionen Euro

Das Problem: Nicht Berlin baut, sondern die Bahn, in Abstimmung mit dem Bund. Der Senat hatte nur zugesagt, bei einer Tunnellösung einen Teil der Mehrkosten – zwischen 100 und 230 Millionen Euro – zu übernehmen. Bahnchef Rüdiger Grube hatte sich zeitweise mit einem Tunnel angefreundet, doch beantragt hat die Bahn einen oberirdischen Ausbau. Zur Tunnellösung soll es ein unveröffentlichtes Gutachten geben. Darin sind laut Friederici erhebliche Bauverzögerungen als Hauptargument gegen den Tunnel aufgeführt.

Friederici wie auch Zimmermann wollen jetzt Akteneinsicht beantragen. Auch die Grünen schlossen sich dieser Forderung an, ebenso die Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg Angelika Schöttler (SPD). Man müsse den Druck erhöhen, auf den gesamten Senat, aber vor allem auf den Bund, sagte Schöttler. „Wir brauchen alle Stimmen.“ Es gebe eine große Einigkeit mit der CDU, sagte Zimmermann. „Wir ziehen an einem Strang.“

Die Lichtenrader tun das schon lange. Vertreter der Händler, Immobilienbesitzer und Unternehmer halten einen Gleisausbau ohne Tunnel für eine stadtplanerische Katastrophe, die der Entwicklung des Stadtteils auf Jahrzehnte hinaus schaden würde.

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