Berlin : Streit um Brückensanierung bremst die S-Bahn aus

Auf der modernisierten Wannseebahn dürfen Züge mit Tempo 100 fahren – über marode Überführungen aber nur mit 10 km/h

Klaus Kurpjuweit

Typisch Berlin. Weil sich die Bahn und der Senat wieder einmal nicht einigen können, bleibt eine Millioneninvestition aus Steuergeldern fast ungenutzt. Für rund 75 Millionen Euro ist die Wannseebahn zwischen Anhalter Bahnhof und Wannsee für die S-Bahn in den vergangenen Jahren so ausgebaut worden, dass die Züge mit maximal Tempo 100 fahren können. Doch an mehreren Stellen dürfen die Bahnen derzeit nur schleichen – zum Teil mit 10km/h.

Dadurch kann der Fahrplan gerade noch eingehalten werden, Verspätungen lassen sich aber nicht ausgleichen, und an kürzere Fahrtzeiten ist überhaupt nicht zu denken. Gleich drei so genannte Langsamfahrstellen bremsen die Züge.

Bei der Sanierung der Anlagen, für die die Strecke abschnittsweise mehrere Monate gesperrt war, hat die Bahn zahlreiche Brücken nicht erneuert. Ausgeklammert wurden die Bereiche, für die es keine Einigung mit dem Senat gab. Er muss zustimmen und mitbezahlen, wenn die Bauwerke verändert werden – zum Beispiel in der Höhe oder in der Breite.

Mehrere Brücken sind so niedrig, dass Doppeldeckerbusse der BVG oder große Lastwagen an ihnen hängen bleiben, wenn sie das Durchfahrtsverbot ignorieren. Bei anderen wollen die Straßenplaner die Straße verbreitern, um Platz für Autos zu schaffen. So gibt es an der Drakestraße beim Bahnhof Lichterfelde West bis heute keinen verbindlichen Beschluss, wie hoch die Brücke in Zukunft über der Fahrbahn liegen soll. Derzeit ist die Durchfahrtshöhe auf 3,70 Meter beschränkt. Ein Doppeldecker ist rund 4 Meter hoch. Im Gespräch waren als neue Höhe 4,20 Meter oder 4,50 Meter. „Hier gibt es seit Jahren ein Hin und Her“, sagte die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, Petra Roland. Auch die Bahn habe mehrfach ihre Pläne geändert. So blieb die marode Brücke unverändert bis heute stehen.

Seit Juli 1998 durften die Züge hier Richtung Potsdam nur mit 30 km/h fahren. Aus Sicherheitsgründen sind jetzt sogar in beiden Richtungen nur noch 10 km/h möglich. Nun soll eine Behelfsbrücke eingebaut werden, die dafür aber erst noch vorbereitet werden muss.

Ähnlich sieht es am Teltower Damm beim Bahnhof Zehlendorf aus. Seit vergangener Woche ist hier Richtung Potsdam nur noch Tempo 30 zugelassen.

Auch die Brücke über der Yorckstraße darf Richtung Potsdam seit kurzem nur noch mit 30 km/h von den Zügen passiert werden. Hier gibt es seit Jahren Pläne, die Gleisanlagen völlig umzubauen – unter anderem auch für eine künftige Linie S 21 vom Hauptbahnhof über das Gleisdreieck zur Yorckstraße. Doch weil auch hier keine Entscheidung gefallen ist, tut sich auch an den Brücken nichts – außer Tempo 30.

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