Berlin : Streit um den „Einheitslehrer“: SPD geht auf die CDU zu

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Die Reform der Berliner Lehrerbildung soll nicht am Streit um den sogenannten Einheitslehrer scheitern. Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Ilkin Özisik, will deshalb auf die CDU zugehen. Die Christdemokraten beharren darauf, dass es weiterhin einen speziellen Ausbildungsgang für Gymnasiallehrer gibt, um eine „Verwässerung“ der Unterschiede zwischen Gymnasien und Sekundarschulen zu verhindern, wie es CDU-Bildungspolitiker Stefan Schlede ausdrückt. Die Studienratslaufbahn beizubehalten sei „nicht verhandelbar“.

Nachdem der Streit auch auf der Ebene der Fraktionschefs nicht beigelegt werden konnte, will Özisik jetzt einen pragmatischen Weg beschreiten, um das ambitionierte neue Gesetz zur Lehrerbildung nicht zu gefährden. Ein Kompromiss könnte darin bestehen, dass beide Lehrämter gleich besoldet sind, jedoch unterschiedliche Schwerpunkte erhalten: Die Gymnasiallehrer würden etwa höhere Mathematik belegen, die Sekundarschullehrer hingegen Konfliktmanagement.

Dies widerspricht allerdings den Empfehlungen der Expertenkommission, die im Jahr 2012 im Senatsauftrag Vorschläge für eine Reform der Lehrerbildung erarbeitet hatte. Sie hatte gefordert, die fachwissenschaftliche Ausbildung der Sekundarschullehrer zu verbessern: Bislang würden sie ihren Stoff oftmals nicht genug durchdringen, um ihn den Schülern vermitteln zu können. Dies spreche dafür, das Niveau der Ausbildung auf das Studienratsniveau anzuheben, meint denn auch Diemut Ophardt vom FU-Zentrum für Lehrerbildung. Und noch ein weiterer Punkt spreche für eine identische Lehramtsausbildung: Es gebe einfach nicht genug Studenten, die auf Lehramt für Sekundarschulen studieren wollten, wo auf sie eine geringere Bezahlung und schwierigere Schüler warteten.

Das Gesetz zur Reform der Lehrerbildung soll im Herbst verabschiedet werden. Es beinhaltet auch ein Praxissemester für alle Lehramtsstudenten und eine verbesserte Ausbildung der Grundschullehrer. Susanne Vieth-Entus

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