Berlin : Streit um Zwangsferien für die Vorschulkinder

Lehrergewerkschaft GEW droht mit Klage, falls den Vorklassenleiterinnen der Urlaub gekürzt wird

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Die Lehrergewerkschaft GEW wehrt sich gegen das Vorhaben des Bildungssenators, den Vorklassenleiterinnen ihren Anspruch auf zwölf Ferienwochen streitig zu machen. „Dagegen würden wir klagen“, kündigte gestern GEWExpertin Brigitte Lietzau an. Dass die Vorklassenleiterinnen an der Ferienregelung der Lehrer teilnehmen, sei vertraglich geregelt und könne nicht einfach einkassiert werden. „Hier gilt die Besitzstandswahrung“, ist Lietzau überzeugt. Wie berichtet, müssen den Vorklassenleiterinnen infolge der zehnprozentigen Einkommenskürzung aus dem Tarifvertrag pro Jahr 29 zusätzliche freie Tage gewährt werden. Unklar ist aber, wie die Schulen diesen Personalausfall ausgleichen sollen. Die GEW fordert zusätzliche Einstellungen, Bildungssenator Klaus Böger (SPD) will den neuen Freizeitanspruch mit den bisherigen zwölfwöchigen Ferien verrechnen.

Zu welchen Problemen der Tarifvertrag führen kann, wird bereits jetzt deutlich: Allein bis Weihnachten müssen jeder Vorklassenleiterin fünf freie Tage gegeben werden, was die Schulen aber organisatorisch nicht bewältigen können: Das Nachsehen haben die Familien, die sich mit eingeschränkten Betreuungszeiten abfinden müssen. Über 10000 Kinder sind davon betroffen.

Unterstützung bekam Böger gestern von einem Parteifreund. Der Volksbildungsstadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinhard Naumann, teilt die Ansicht des Senators, dass sich der von der Innenverwaltung ausgehandelte Tarifvertrag „nicht mit den bildungspolitischen Erfordernissen in der Praxis“ vereinbaren lässt. Dies gelte für die Vorklassen, aber auch für die Kitas. Naumann verweist auf die großen Lücken bei der Kita-Betreuung: Hier fehlen infolge des Tarifvertrages rund 1000 Erzieherinnen, aber nur 388 sollen eingestellt werden. Naumann fordert deshalb, dass der Senat in einer Klausurtagung „unverzüglich Schadensbegrenzung und Fehlerbeseitigung vornimmt“. sve

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