Berlin : Streit ums Geld im Casino

Betriebsrat wirft Chefs der Spielbank am Alex vor, Mitarbeiter aus finanziellem Eigennutz zu entlassen

Ralf Schönball

Schwere Vorwürfe erheben die Gewerkschaft Verdi und der Betriebsrat des Casinos am Alexanderplatz gegen die Geschäftsleitung des Hauses: Die Firmenleitung soll Gelder, die zur Bezahlung der Mitarbeitergehälter bestimmt gewesen seien, zweckentfremdet haben. Da die übrigen Casino-Einnahmen nicht mehr ausreichen würden, um die Gehälter aller Mitarbeiter zu bezahlen, sei acht Angestellten gekündigt worden.

Die Spielstätte im Hotel Park Inn am Alexanderplatz gehört zu den „Westspiel-Casinos“ mit Sitz in Duisburg. Da das Glückspiel in Deutschland einem staatlichem Monopol unterliegt, müssen lizenzierte Casinos den größten Teil ihrer Einnahmen abführen: Rund 80 Prozent gehen an den Staat, in diesem Fall an das Land Berlin. Von den verbleibenden Einnahmen sowie den hohen, von der Abgabe befreiten Trinkgeldern müssen die Casinos ihre Kosten begleichen. Dazu zählen auch die Gehälter der Croupiers an den Spieltischen.

Um die Verteilung dieser Gelder dreht sich der Streit. Nach Angaben der Arbeitnehmervertreter werden die Trinkgelder nicht zu den Casino-Einnahmen gezählt, weil diese zur Sicherung der Arbeitsplätze dienen sollen. Eine entsprechende Vereinbarung habe die Geschäftsleitung mit der Senatsverwaltung für Finanzen geschlossen, die für das Glücksspiel in Berlin zuständig ist. Doch an diese Vereinbarung halte sich die Geschäftsführung nun nicht mehr.

Den Vorwurf der Zweckentfremdung von Geldern begründet der Betriebsrat damit, dass der Geschäftsleitung aus den abgabenfreien Geldern eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 270 000 Euro zukomme. „Würde dieses Geld nicht fließen, dann hätten die acht Mitarbeiter nicht entlassen werden müssen“, sagt Uwe Haberts, Betriebsratsvorsitzender des Casinos am Alexanderplatz. Außerdem beauftrage das Berliner Casino verbundene Firmen aus dem Westspiel-Konzern unter anderem mit Marketing und IT-Dienstleistungen und zahle dafür überhöhte Preise.

Die Senatsverwaltung für Finanzen wies die Darstellung zurück, wonach es eine gesetzliche Regelung gebe, wie die Trinkgelder zu verwenden seien. „Es gibt diesbezüglich auch keine Auflagen der Finanzverwaltung“, sagte Sprecher Matthias Kolbeck. Der Petitionsausschuss, der schon mit dem Fall befasst gewesen sei, habe der Behörde bescheinigt, dass „die Vorgehensweise der Senatsverwaltung sachgerecht ist“. Es handele sich um einen „internen Streit“ zwischen Belegschaft und Casino-Leitung.

Weder bei der Berliner Geschäftsführung des Casinos noch bei der Zentrale der Westspiel-Casinos waren gestern trotz wiederholter Anfragen Verantwortliche zu sprechen.

Den acht betroffenen Mitarbeitern war die Kündigung im August angekündigt worden. Die Kündigungen sollen mit der Einführung von neuen Spieltischen einhergegangen sein: Sogenannte französische Roulette-Tische, an denen fünf Croupiers die Kugel werfen und die Einsätze verwalten, sollen gegen amerikanische Tische ausgetauscht worden sein, für deren Betrieb drei Mitarbeiter ausreichen. Außerdem gibt es in dem Casino automatische Roulette-Tische. Die entlassenen Mitarbeiter haben nach Angaben der Gewerkschaft Verdi Kündigungsschutzklagen eingereicht.

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