Berlin : Sushi, die übernächste Generation

Bei einem Dinner im Schloss Bellevue wird Japan mit lauter Premieren gefeiert

Elisabeth Binder

Sind das nun Sushi für Einsteiger oder für Fortgeschrittene? Wie edle Pralinen sind die winzigen Skulpturen aus gegrilltem und geräuchertem Lachs, aus Lotuswurzel mit Krebsfleisch, aus gedünsteten Jakobsmuscheln, aus Tintenfisch mit Krabbenfleisch auf dem goldumrandeten weißen KPM-Porzellan angerichtet. Dass Junichi Asano und Juntaro Yamaguchi außerhalb der japanischen Botschaft kochen, kommt normalerweise nicht vor. An diesem Abend zelebrieren sie ihre hohe Kunst gemeinsam mit Christian Lohse vom Schlosshotel Vier Jahreszeiten im Schloss Bellevue, bei einem offiziellen Dinner des Bundespräsidenten für die Spitzen der deutschen Wirtschaft.

Das ist eine absolute Premiere. So wie es auch eine Premiere ist, dass der japanische Kronprinz die Schirmherrschaft über ein ausländisches Projekt übernimmt. Genau das hat er aber getan und zwar gemeinsam mit Johannes Rau für das 2005/2006 geplante Aktionsjahr „Deutschland in Japan“. Vor allem den jungen Japanern wollen Politik und Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur ein neues, frisches Bild von Deutschland vermitteln. Hier sollen Unternehmer verstärkt auf den Geschmack gebracht werden. Noch denken Japaner, wie Außenminister Joschka Fischer sagte, bei Deutschland vor allem an Neuschwanstein, Loreley und Oktoberfest. Das soll sich ändern. Das boomenden China hat das trotz allem wirtschaftskräftige Japan psychologisch vorübergehend in den Schatten gestellt. Also leuchteten an diesem Abend rote und weiße Kugeln, die japanischen Farben, auf dem grünen Gras vor dem Schloss. Alle Redner, die zwischen den hoffnungsvoll flackernden Kandelabern ans Pult traten, sprachen über das große Potenzial, das sich in den Wirtschaftsbeziehungen mit Japan noch verbirgt. Botschafter Heinrich Seemann, früher in Japan und Indonesien stationiert, ist der Koordinator der Aktion.

Johannes Rau sprach von einem „kühnen Projekt“, das von den anwesenden Wirtschaftsführern verlange, „mit ganzer Kraft und ganzem Herzen dabei zu sein“. Als persönlich gutes Zeichen für aufkommenden Erfolg nahm er die Tatsache, dass allein die Kombination aus seiner Heimatstadt Wuppertal und Japan bei Google 98000 Ergebnisse bringt. Joschka Fischer erhofft sich Synergieeffekte von der nächsten Weltausstellung, die in Japan stattfindet, und erinnerte an die Erfolge, die Frankreich und Italien mit ähnlichen Aktionen hatten.

Nach Samtsuppe von Frühlingsmorcheln und Havelzander trat schließlich auch Richard von Weizsäcker, der Vorsitzende des Ehrenkomitees, ans Mikrofon, um über die historischen Gemeinsamkeiten beider Länder zu sprechen und den Respekt und die Achtung, die deutsche Kulturgüter bei den Japanern genießen. Immer wieder streute er amüsante persönliche Erlebnisse ein, die Altkanzler Helmut Schmidt schließlich zu Zwischenrufen verlockten.

Nach der Erdbeertarte mit Grünem- Tee-Eis, auf die Wolfgang Clement verzichten musste, konnte sich Heinrich Seemann vor Visitenkarten kaum retten. Henrik Schmiegelow, Botschafter in Tokio, erzählte, wie groß das Interesse für Lifestyle ist. Jette Joop trug über ihrem knappen kleinen Schwarzen bereits den entschlossenen Blick der erfolgslüsternen Geschäftsfrau.

Der Protokollchef im Bundespräsidialamt, Martin Löer, hat sechs Jahre seiner Kindheit in Japan verbracht und sprach mit der Frau des Botschafters über den netten Nachmittag in der Residenz, an dem sie gemeinsam die protokollarischen und kulinarischen Anforderungen an die Rezepte in Einklang gebracht haben. Botschafter Yushu Takashima selbst dachte schon weiter als Sushi. Welche deutschen Produkte aus seiner Sicht die Herzen der Japaner erobern könnten? „Käse!“, sagte er. „Und Wurst“, ergänzte seine Frau verträumt. Was ihn zu einer weiteren genießerischen Steigerung brachte: „Schinken…“.

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