Berlin : Tag der offenen Tür: Einladung zum Staatsbesuch

Katja Füchsel

Die Bundesregierung gibt sich die Ehre. Und damit die Gäste am Wochenende auch wirklich zahlreich kommen, verteilt sie derzeit knallrote Faltblätter in der ganzen Stadt. "Einladung zum Staatsbesuch", steht darauf. Auf der ersten Seite grüßt der Hausherr die Mitbürger in getragenem Ton: "Modernes Regieren ist offen und bürgernah", schreibt Bundeskanzler Gerhard Schröder da. "Machen Sie sich Ihr eigenes Bild von den neuen Bauten und der Arbeit der Bundesregierung."

Der Kanzler lädt zum Besuch, am kommenden Sonnabend und am Sonntag. Am Tag der offenen Tür werden sich die sonst streng gesicherten Häuser zum dritten Mal bürgernah geben: das Bundeskanzleramt, das Bundesministerium des Innern, Bundesministerium der Finanzen ... Geschlossen bleibt nur das Auswärtige Amt, in dem zeitgleich eine Konferenz aller deutscher Botschafter abgehalten wird. In den anderen Häusern wird den Gästen mehr als nur ein Blick in verwaiste Büros versprochen: Seit Wochen waren die Organisatoren in den Ministerien mit den Planungen und Vorbereitungen beschäftigt. Sie haben Ausstellungen konzipiert, die Geschichte der einzelnen Häuser recherchiert sowie für jedes Ministerium ein Kultur- und Unterhaltungsprogramm erarbeitet.

Als Hauptattraktion des Wochenendes gilt natürlich das Kanzleramt, im Volksmund auch "Waschmaschine" genannt. Zu groß, zu protzig, zu teuer - die Kritik am 465 Millionen Mark teuren Bundeskanzleramt, das in diesem Frühjahr eröffnet wurde, war zum Teil heftig - doch ebenso groß ist die Neugier. Schon seit Monaten spähen von morgens bis abends Touristen und Berliner durch die blaugrünen Stahlzäune in den Ehrenhof und die großen Glasfronten der Machtzentrale, um einen Blick ins Innere zu erhaschen.

Das wird den Neugierigen am Wochenende leichter gemacht. Wer hier einen Rundgang durch die untere Etage, die Wintergärten, den Kanzlergarten und -park unternehmen möchte, muss sich allerdings auf lange Wartezeiten einrichten. Um den Besuchern das Schlangestehen zu versüßen, hat man diverse Künstler vor den Ehrenhof geladen: Musiker, Sänger und Artisten. Die Gäste werden gebeten, möglichst ohne Taschen oder Rucksäcke zu kommen - damit schneller kontrolliert werden kann. Der Einlass beginnt an beiden Tagen um 9 Uhr und endet um 16 Uhr. Zutritt erlangt im Kanzleramt nur, wer einen gültigen Personalausweis oder Reisepass vorweisen kann.

Anschließend können sich die Besucher im Kanzlerpark von der Strapaze erholen. An Ständen werden Spezialitäten aus allen Bundesländern angeboten, es gibt spielerischen Verkehrsunterricht für Kinder und Live-Musik. Der Kanzler wird sich hier voraussichtlich erst am Abend sehen lassen. In vielen anderen Häusern stehen die Minister bereits am Tage Rede und Antwort: Am Sonnabend können die Besucher unter anderem mit Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (11 Uhr) und Familienministerin Christine Bergmann diskutieren. Oder am Sonntag mit Finanzminister Hans Eichel (11 Uhr) und Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (13 Uhr). Zwischen den Ministerien wird an beiden Tagen ein kostenloser Busshuttle eingerichtet.

Zu den kostenlosen Rundgängen muss man sich in einigen Ministerien vorher anmelden (siehe Kasten). Das Programmfaltblatt zum Tag der offenen Tür liegt an allen Bundesministerien aus und ist im Internet (unter www.bundesregierung.de ) abrufbar. Informationen gibt es hier auch zum "Höhepunkt" des Wochenendes, dem "Fest am Kanzleramt", das einen ganz besonderen Blick auf den Kanzleramts-Neubau verspricht. Ab 20 Uhr wollen Video-Jockeys aus Berliner Szeneclubs die großen Betonflächen des Hauses mit bewegten Bildern überziehen, dazu soll der Bau an der Willy-Barndt-Straße durch eine speziell inszenierte Licht-Show beleuchtet werden.

Im Ehrenhof arbeiten seit gestern Handwerker an einer mächtigen Bühne. Die Auftritte von Udo Lindenberg, No Angels, Die Prinzen, Bell, Book & Candle, der Opernsängerin Cornelia Götz und des Musicalstars Sanni Luis werden für das Publikum weiter hinten auf Großleinwänden übertragen. Auch für das Wohl der Fußballfans haben die Organisatoren gesorgt: Wann immer beim Fußballspiel Deutschland-England ein Tor fällt, wird während des Konzerts der aktuelle Spielstand eingeblendet.

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