Berlin : Tag zu Tag: Durchgeschüttelt

Christian van Lessen

Es haut die Fahrgäste fast vom Hocker, pardon, von der gepolsterten oder mitunter hölzernen Sitzbank, wenn sich die U-Bahnlinie 1 aus Richtung Krumme Lanke dem Bahnhof Podbielskiallee nähert. Die Leute schwanken, manche sehen aus, als werde ihnen wirklich schlecht, andere verlieren gar den Halt und finden ihn beim Nachbarn, der seinerseits schon Irgendjemandem in die Seite gefallen ist. Das kann recht kommunikativ sein. Die Leute schimpfen oder lachen, manche kommen sich wirklich näher.

Können Sie Sich überhaupt noch erinnern, fragt jemand in die Runde, dass die Strecke letztes Jahr über Monate gesperrt war? Das war noch viel, viel unerträ glicher als dieses Holterdipolter, dieses Durchgeschüttel. Der schreckliche - wie nannte es die BVG? - Schienenersatzverkehr zwischen Thielplatz und Breitenbachplatz? Immer verpasste man die Anschlussbahn, und die Busse fuhren manchmal irrwitzige Wege. Kann sich überhaupt noch jemand erinnern, fragt ein Anderer, warum die U-Bahn so lang und so gründlich gesperrt wurde?

Logisch, Reparaturen, mischt sich eine dritte Stimme ein. War ganz klar, konnte doch so nicht weitergehen. Wissen Sie überhaupt noch, wie hier die U-Bahn früher gerumpelt ist? Es war ein Holterdipolter und Durchgeschüttel, dass einem fast schwindlig wurde. Mir tun die Knochen weh, wenn ich nur daran denke. Es war wie eine Fahrt über eine Spur voller Schlaglöcher. Die Gleise mussten dringend repariert werden!

Ach so, sagt ein Fahrgast. Musste einem wirklich mal wieder gesagt werden.

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