Tagesspiegel-Weihnachtsaktion : Spendenserie

"Menschen helfen!" heißt die Spendenaktion des Tagesspiegels. Sie hilft auch Familien, deren Kinder einen Schlaganfall erlitten haben.

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Ein fröhliches Trio. Physiotherapeutin Marion Jager und ihre Tochter Larissa zusammen mit Therapiehund Amy in Wilmersdorf.
Ein fröhliches Trio. Physiotherapeutin Marion Jager und ihre Tochter Larissa zusammen mit Therapiehund Amy in Wilmersdorf.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Der Kletterwand kann Larissa nicht widerstehen. Die Finger der Neunjährigen greifen um die bunten Griffe an der Wand. Geschickt zieht sie sich hoch. Dann lässt sie sich wieder herunter und setzt sich. Jetzt ist sie bereit fürs Gespräch.
Auch ihre Mutter, Marion Jager, und Therapiehund Amy haben sich hingesetzt – auf eine der Gymnastikmatten im Physiotherapiestudio von Marion Jager in Wilmersdorf. „Wir dachten lange, Larissa sei ein gesundes Baby“, sagt Marion Jager. „Dass etwas mit ihr nicht stimmte, habe ich erst bemerkt, als sie mit eineinhalb versuchte zu laufen. Als Physiotherapeutin habe ich gesehen, dass an ihrem Gangbild etwas nicht normal war.“

Kurz vor oder nach der Geburt erlitt das Mädchen einen Schlaganfall

Erst nach längerer Zeit und vielen Besuchen bei verschiedenen Orthopäden war die Diagnose klar: Larissa hatte kurz vor oder kurz nach der Geburt einen Schlaganfall erlitten und war halbseitig gelähmt. Das Mädchen hat einen Gendefekt, der die Blutgerinnung beeinträchtigt. „Es ist typisch für Schlaganfälle bei Kindern, dass die um die Geburt herum geschehen“, sagt Marion Jager. „Zum Glück war es bei Larissa nicht so schlimm.“
Sie kennt viele andere Familien, in denen es Kinder wesentlich härter getroffen hat: Diesen Familien waren Larissa und ihre Mutter bei Veranstaltungen der deutschen Schlaganfallhilfe begegnet, deren Projekte der Tagesspiegel mit seiner Spendenaktion unterstützen will.

Vor kurzem waren die beiden etwa bei einem Musikworkshop. „Ein anderes Mädchen hatte den Text für ein Lied geschrieben“, erzählt Larissa. „Darin ging es um Freundschaft. Und wir haben es einen Tag lang geübt und dann aufgeführt.“ Ihre Mutter ergänzt: „Die Melodie haben Musikstudenten dazu geschrieben und eine Kika-Moderatorin hat Stimmbildung mit ihnen gemacht.“ Und Larissa sagt: „Es war schön, dass so viele Kinder mit Handicap etwas gemeinsam gemacht haben. Sogar die Blinde hat mitgemacht.“

Die Schlaganfallhilfe finanziert das Camp aus Spendengeldern

„Es tut gut, bei solchen Veranstaltungen andere Familien zu treffen, denen es ähnlich geht“, findet Marion Jager. Vor zwei Jahren waren die beiden beim jährlich stattfindenden Familiencamp in Süddeutschland dabei. Im kommenden Jahr wollen sie wieder mitfahren. Das Camp finanziert die Schlaganfallhilfe aus Spenden: ein verlängertes Wochenende in einem Hotel für Kinder, die einen Schlaganfall hatten, ihre Eltern und Geschwister. Die Kinder haben ein buntes Programm – basteln, malen, Puppentheater. Für die Eltern gibt es Workshops, „in denen man lernt, wie man seine Ressourcen wieder auffüllt und neue Energie findet“. Das Leben mit einem Kind, das nach einem Schlaganfall gehandicapt war, kann kräftezehrend sein.

Die ersten Lebensjahre ging es nur um Therapie

Dass man Larissa die Folgen des Schlaganfalls kaum noch ansieht, hatte seinen Preis. „Die ersten Lebensjahre ging es nur um Therapie, Therapie, Therapie“, sagt Marion Jager. Ergo-, Physio- und Hippotherapie, dazu trainierte eine Einzelfallhelferin mit Larissa den Alltag, etwa, wie sie allein zur Schule gehen kann. „Ich habe immer darauf geachtet, dass sie spezielles Spielzeug hat, das sie mit beiden Händen benutzen muss. Ebenso bei den Tassen.“ Das hinterließ Spuren in der Mutter-Tochter-Beziehung: „Ein Arzt hat mal zu mir gesagt, sehen Sie zu, dass Sie Ihr Kind nicht immer nur therapieren, sondern auch mal ganz einfach nur mir Larissa zusammen sind.“

Oft informierte sich Marion Jager über Medizinisches und Alltägliches auf der Internetseite der Schlaganfallhilfe. Sie organisierte sich mit anderen Berliner Familien in einer Selbsthilfegruppe. „Die Kinder sind ja ihr Leben lang chronisch krank. Wir geben den Familien Hilfestellung, damit umzugehen“, sagt Sabine Dawabi von der Schlaganfallhilfe. „Wir bieten zum Beispiel einen Schlaganfallkinderlotsen an. Dort können Eltern aus ganz Deutschland, aber auch medizinisches Personal bei jeder Frage anrufen. Etwa, wenn es um eine neue Schule geht, ob ein Musikinstrument erlernt werden sollte oder welche Unterstützung es zum Beispiel in Berlin für Familien gibt.“

Ein Arzt aus Münster ist die Behandlung von Kindern spezialisiert

Auch dieser Service wird über Spenden finanziert, ebenso ein Arzt aus Münster, der auf Kinderschlaganfälle spezialisiert ist und bundesweit Kinder wie Larissa betreut.
Die steckt sich gerade ein Stück Schokolade in den Mund und tollt dann mit Therapiehund Amy herum, bevor sie sich auf einer Gymnastikmatte ausstreckt. Wenn man sie fragt, was ihr Handicap eigentlich ausmacht, sagt sie grinsend: „Sport macht mir großen Spaß, aber ich bin im Sportunterricht eben nicht eine der schnellsten.“ In Mathe auch nicht, ergänzt ihre Mutter. „Aber das geht auch Kindern so, die keinen Schlaganfall hatten.“

Spendenaktion Der Tagesspiegel e. V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse (BLZ 100 500 00), Konto 250 030 942. BIC: BELADEBE, IBAN: DE43 1005 0000 0250 0309 42. Bitte Namen und Anschrift für den Spendenbeleg notieren.

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