Berlin : Tarifrunde für Charité gescheitert Im Mai droht Pflegestreik

an den drei Standorten

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Die Tarifrunde für Europas größtes Universitätsklinikum ist offenbar gescheitert. Nach Tagesspiegel-Informationen wollen die zuständigen Verhandler der Gewerkschaft Verdi an diesem Dienstag offiziell das vorläufige Ende der Tarifgespräche an der Charité erklären. Für Mai rechnen Arbeitnehmervertreter mit einem Streik. Verdi fordert für die fast 10 000 Pfleger, Schwestern, Reinigungskräfte und Techniker monatlich 300 Euro mehr pro Beschäftigtem – so wie es der bundesweit übliche Tarif vorsieht. Das seit Jahren verschuldete landeseigene Krankenhaus ist vom Senat jedoch auf einen strikten Sparkurs verpflichtet worden. Klinikintern gilt als ausgeschlossen, dass der Charité-Vorstand einem 300-Euro-Lohnplus zustimmen wird – auch wenn Vorstandschef Karl Max Einhäupl den Wunsch nach mehr Gehalt kürzlich verständlich nannte. Dafür seien Mittel im Klinikbudget eingeplant, aber nicht in der geforderten Höhe. Zuletzt hatte die Klinik ein gestaffeltes Lohnplus angeboten. Demnach bekämen Pfleger, Schwestern & Co. allerdings erst in fünf Jahren die derzeit geforderte Erhöhung auf den bundesweit üblichen Tarif. Derzeit verdient eine Charité-Schwester nach zehn Dienstjahren im Schnitt weniger als 2500 Euro brutto im Monat.

Erst vor einer Woche hatte Verdi die Mitglieder in der Charité zu einem Warnstreik aufgerufen: Pro Schicht protestierte allerdings nur ein jeweils kleiner Teil der Belegschaft, damit die Notfallversorgung gewährleistet blieb. Rund 2000 Kollegen beteiligten sich im Laufe des vergangenen Dienstags an den drei Charité-Standorten in Mitte, Wedding und Steglitz an dem Ausstand. Eine Kliniksprecherin erklärte, dass Behandlungen verschoben werden mussten.

Verdi verhandelt derzeit auch für die Pflegekräfte an den Helios-Kliniken, etwa in Buch und Zehlendorf. Dort verlangt derzeit außerdem die Ärztegewerkschaft Marburger Bund eine Lohnsteigerung. Die Verhandlungen werden in den kommenden Wochen fortgesetzt. Verdi schloss Warnstreiks auch in den Helios-Kliniken nicht aus.Hannes Heine

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