Berlin : Tatort Toilette

Bernd Matthies

ist fassungslos über eine Verwaltungsgroteske Häftling flieht durchs Toilettenfenster – wenn sich das ein „Tatort“-Drehbuchautor ausdenkt, schmeißen sie ihn raus; ein öderes, weniger realistisches Klischee gibt es ja kaum. Nur, dass das der Realität egal ist: Am Donnerstag ist in Berlin wieder einer durchs Klofenster entkommen, ein Schwerkrimineller, wie die Strafe – zwölf Jahre für Drogenhandel – vermuten lässt. Der Grund: Er wurde von einer Sozialarbeiterin ausgeführt, und die konnte (oder mochte?) sich vorher nicht selbst von den Eigenheiten der betreffenden Herren-Toilette überzeugen.

Hallo? Was ist das denn? Wir erinnerten uns: Als 2003 ebenfalls ein wegen Vergewaltigung verurteilter Häftling in Hellersdorf seiner Bewacherin durchs Toilettenfenster entkam, zog die Justizsenatorin Konsequenzen, so banal, dass man sich nur fragte: Wieso erst jetzt? Diese Konsequenzen bestanden darin, dass männliche Häftlinge nur noch von Männern ausgeführt werden.

Nur, dass da am Donnerstag wieder eine Frau einen Mann begleitet hat. Warum? Die Erklärung der Justiz offenbart eine Verwaltungsgroteske, die wir zunächst nicht glauben mochten: Die Gleichstellungsbeauftragte hat den Erlass der Senatorin damals als frauendiskriminierend eingestuft und seine Umsetzung erfolgreich verhindert.

Das ist: Ideologische Prinzipienreiterei auf dem Rücken des Amtsschimmels, notdürftig getarnt als Akt der Frauenbefreiung. Prägnanter lässt sich der Irrsinn des deutschen Beauftragten-Unwesens nun wirklich nicht mehr illustrieren.

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