Tempelhof : Baby beim Pförtner abgegeben

Seit März ist die Babyklappe im St.-Joseph-Krankenhaus in Tempelhof aufgrund von Bauarbeiten geschlossen. Das hinderte eine Mutter allerdings nicht, ihr Kind beim Pförtner abzugeben.

Marianna Mamonova

Das wurde am Donnerstag beim Besuch der Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) bekannt. Insgesamt 2,7 Millionen Euro hat der Umbau des St.-Joseph-Krankenhauses gekostet – 1,6 Millionen Euro davon kamen vom Berliner Senat und damit vom Steuerzahler. Lompscher wollte sich persönlich von der Investition der Mittel überzeugen. Die zusätzlichen 1,1 Millionen Euro hat die Krankenhausträgerin, die Katholische Wohltätigkeitsanstalt zur Heiligen Elisabeth, bereitgestellt. Davon baut das St.-Joseph-Krankenhaus zwei Bereiche komplett um. „Die Landesmittel aus dem Konjunkturpaket II haben schon die erwarteten Früchte getragen“, sagte Lompscher. „Nun können Südberliner Kinder hier noch besser versorgt werden.“

Von den Subventionen wurde die Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie erweitert, da die Auslastung mit über 120 Prozent zu hoch war. Seit Mai hat die Tagesklinik zusätzliche Therapie- und Büroräume in Betrieb genommen. Die Neonatologie, also die Station für Neugeborene, und die Kinderintensivstation werden zusammengelegt. Hier soll der Umbau erst im Oktober fertig werden. Zusätzlich entstehen sogenannte „Rooming-in“-Räume – 16 Zimmer, in denen Eltern bei ihren kranken Neugeborenen oder Frühchen übernachten können. Die Weltgesundheitsorganisation zertifizierte die Kinderklinik als erste „babyfreundliche“ weltweit.

Auch wenn die Babyklappe ein wichtiger Aspekt der „Babyfreundlichkeit“ ist, war nicht einmal eine Verlagerung der Babyklappe aus technischen Gründen möglich. Erst wenn keine Gefahr durch Baumaßnahmen mehr besteht, soll sie wieder geöffnet werden, so die stellvertretende Pflegedirektorin Eva-Maria Haenecke. Auch Lompscher hält es für „zu gefährlich“, das Notfallfenster während des Umbaus einzusetzen. In Berlin gibt es insgesamt vier Babyklappen. Die Zahl der Kinder, die pro Jahr abgegeben werden, sei „im einstelligen Bereich“. Als Notlösung bietet das Krankenhaus an, Säuglinge anonym beim Pförtner am Haupteingang abzugeben.

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