Berlin : Tempelhof bei Airlines immer begehrter

Trotz aller Schließungspläne: Jetzt will auch Germania vom alten Zentralflughafen aus starten

Klaus Kurpjuweit

Kurz vor dem geplanten Ende des Flugbetriebs in Tempelhof wächst das Interesse der Fluggesellschaften an dem alten Zentralflughafen. Nach der dba (der früheren Deutschen BA) will nun auch Germania in Tempelhof fliegen. Damit könnte das Bestreben der Flughafengesellschaft scheitern, den Betrieb im Herbst 2004 aufzugeben. Sie begründet ihren Antrag mit den wirtschaftlichen Verlusten beim Flugbetrieb. Die würden aber sinken, wenn es von Tempelhof aus mehr Flüge gebe.

Bernhard Liscutin von der Interessengemeinschaft City-Airport Tempelhof (ICAT) ist überzeugt, dass Tempelhof mit den Passagieren von dba und Germania aus den roten Zahlen kommen würde. Also könnte auch der Antrag, wegen des Defizits aus der Betriebspflicht entlassen zu werden, nicht aufrecht erhalten werden.

Das sieht die Flughafengesellschaft anders. Zum einen liege nur eine Interessensbekundung vor und kein konkretes Angebot. Zum anderen müsste man die Anlagen in Tempelhof für 10 Millionen Euro erweitern, wenn die Passagierzahl erheblich steige, sagte Sprecherin Rosemarie Meichsner. Erforderlich seien unter anderem ein zusätzliches Gepäckband und weitere Wartebereiche. Dieses Geld wolle und könne die Flughafengesellschaft nicht aufbringen.

Tempelhof-Befürworter Liscutin widerspricht hier allerdings: 1993 seien in Tempelhof noch 1,3 Millionen Passagiere abgefertigt worden. 2002 waren es nur noch 613 000. Da auch die dba etwa 650 000 Passagiere im Jahr zähle, wäre damit erst die Zahl erreicht, die es schon vor Jahren gegeben habe. Und Germania will ohnehin nicht alle Flüge von Tegel nach Tempelhof verlagern. Nur Flüge mit der kleineren „Fokker 100“ sollen von Tempelhof aus erfolgen; die Düsenmaschinen würden weiter in Tegel abheben.

Vor vorschnellen Erklärungen zur Zukunft des Flughafens haben unterdessen die Industrie- und Handelskammer (IHK) und der CDU-Verkehrsexperte Alexander Kaczmarek gewarnt. Das verprelle Interessenten. Sie fordern, alle Angebote, den Flugbetrieb nach Tempelhof zu verlagern, unvoreingenommen zu prüfen. Die dba will, wie berichtet, den Flugbetrieb in Tempelhof in eigener Regie übernehmen. Dazu soll auch die Bewirtschaftung des Gebäudes gehören, das gut die Hälfte des 14 Millionen Euro schweren Gesamtverlusts in Tempelhof produziert.

Der dba-Chef Hans Rudolf Wöhrl will den Verlust Tempelhofs aus den Gebühren decken, die er bisher in Tegel zahlen muss: rund 14 Millionen Euro im Jahr. Dieses Geld würde in Tegel nicht lange fehlen, ist Liscutin überzeugt. Die begehrten Start- und Landerechte, Slots genannt, seien schnell wieder vergeben. Würden allerdings dann Gesellschaften von Schönefeld nach Tegel ziehen, bliebe wohl ein Loch in der Kasse. Slots, die in Schönefeld frei werden, können derzeit kaum wieder vergeben werden.

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