Berlin : Tempodrom-Chefs steigen beim Goya ein

Club am Nollendorfplatz könnte in sechs Wochen wieder öffnen – unter neuem Namen

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Das Parkett war schon lange verstaubt, der letzte Tanz im „Goya“ liegt gut ein Jahr zurück. Geblieben sind in all den Monaten nur die vier Buchstaben an der grauen Fassade des desaströs gescheiterten Nachtclubs am Nollendorfplatz; doch jetzt kommt auch der „Goya“-Schriftzug runter – denn das alte Metropol hat einen neuen Betreiber.

Wie der Tagesspiegel erfuhr, wird das Haus künftig von derselben Firma betrieben, die auch das Veranstaltungsgeschäft im insolventen Tempodrom übernahm und die die Erotik-Tanzshow „Belle et Fou“ am Marlene-Dietrich-Platz organisiert: von der Münchener Unternehmensberatungsgesellschaft Treugast. Das sagte deren Geschäftsführer Stephan Gerhard. Und er scheint schwer davon überzeugt zu sein, mehr aus der Location rausholen zu können als die Vorgänger um den geschassten „Goya“-Macher Peter Glückstein. Gerhard hat bereits den Mietvertrag für die Räume unterzeichnet, die dem Immobilienkaufmann Henning Conle gehören. Die Laufzeit beträgt zehn Jahre.

Viele Monate ist im Goya-Club nichts passiert, immer wieder hatten Interessenten müde abgewinkt, als sie die spektakulären Räume besichtigt hatten. Doch jetzt ging alles ganz schnell: Schon von heute an will ein Team der Treugast das Haus für die Wiedereröffnung vorbereiten – wahrscheinlich unter neuem Namen, denn die Rechte für den Titel „Goya“ liegen beim Insolvenzverwalter. Der ist noch für die Reste der Aktiengesellschaft zuständig. Wie die neue Location heißen könnte, ist unbekannt.

Das Goya – für satte zwölf Millionen Euro restauriert vom Stararchitekten Hans Kollhoff – war vor anderthalb Jahren feierlich von den 2700 Aktionären, darunter etliche Prominente, eröffnet worden. Nur ein halbes Jahr später war schon wieder Schluss: Die Tanzfläche blieb viel zu oft leer, die Musik war mies, die Baukosten stiegen und stiegen und seltsame Ereignisse hinter den Kulissen verschafften dem „Goya“ nicht gerade ein attraktives Image. Als beispielsweise die ersten Geschichten von Zahlungsschwierigkeiten die Runde machten, verschwand plötzlich in der Nacht ein 700-Kilo-Tresor mit allen Einnahmen – ohne auch nur einen Kratzer zu hinterlassen und ohne dass der Wachdienst etwas gesehen haben will. Da konnten sich selbst Polizisten das Lachen nicht verkneifen.

Der neue Betreiber setzt für das früher als „Metropol“ bekannte Haus auf ein Konzept, das sich von dem bisherigen Nachtclub grundlegend unterscheidet. Geschäftsführer Gerhard will das Haus nämlich vorrangig als Veranstaltungsstätte vermieten, es also privaten Interessenten für Partys, Firmenveranstaltungen, Filmaufnahmen oder After-Show-Events anbieten. Mit diesem Konzept hat er auch für das Tempodrom erfolgreich neue Geschäftsfelder eröffnet. Der ehemalige „Goya“-Chef Glückstein hatte auch mal diese Idee gehabt, doch mehr als das war es eben nicht: Aktionäre klagten immer wieder, dass viel zu wenig für die Akquisition getan werde, zumal die Nachfrage vorhanden war: In der Nähe befinden sich schließlich viele Hotels; auch das Messe-Gelände ist nicht sehr weit.

Schon in sechs Wochen, so die Hoffnung der neuen Betreiber, soll das Haus wiedereröffnet werden – dann brennen auch wieder die Lampen an der Fassade. Mitte Juni ist die erste Veranstaltung geplant. Weitere Interessenten hätten sich bereits gemeldet. Das Essen wird an den ersten Abenden wohl noch von externen Cateringfirmen kommen: Nach der Insolvenz wurde die komplette Küche mit Kühlaggregaten aus dem Club ausgebaut.

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