Berlin : Tempodrom: Rettung kostet 12,8 Millionen Mark

Ulrich Zawatka-Gerlach

Das "Neue Tempodrom" am Anhalter Bahnhof kann fertig gebaut und pünktlich am 1. Dezember mit der Verleihung des Europäischen Filmpreises "Felix" eröffnet werden. Der Senat stellte gestern 12,8 Millionen Mark zur Verfügung, um den drohenden Konkurs abzuwenden. Einsparungen an dem aufwendigen Bauwerk seien, mit Ausnahme der Getränkeausschank-Anlage, nicht mehr möglich gewesen, sagte Bausenator Peter Strieder (SPD). Die Rettungsaktion des Landes Berlin sei noch die kostengünstigste Variante.

"Ansonsten hätten wir eine Bauruine gehabt", so Strieder. Knapp zehn Millionen Mark aus EU-Fördermitteln hätten zurückgezahlt werden müssen und eine achtzigprozentige Bürgschaft auf den 25-Millionenkredit bei der Landesbank Berlin (LBB) wäre fällig geworden. Das spendable Verhalten des Senats hat aber Konsequenzen. In den Beirat der privatrechtlichen Stiftung "Neues Tempodrom" rücken Vertreter des Senats und der Landesbank ein. Ein neuer Stiftungsvorstand wird eingesetzt, der den Bau des Tempodroms zu Ende führt und die Geschäftsführung übernimmt.

Die Tempodrom-Chefin Irene Mössinger muss den Stiftungsrat verlassen und sich auf die Leitung der Tempodrom GmbH beschränken. Sie bleibe für das Veranstaltungskonzept verantwortlich und habe "für ein volles Haus zu sorgen", sagte Strieder. Prüfungen der LBB und der Unternehmsnberatung Price Waterhouse hätten ergeben, dass der Bankkredit aus den Einnahmen des Tempodroms refinanziert werden könne. Sollte diese Rechnung nicht aufgehen, kann der Senat den Pachtvertrag mit der Tempodrom GmbH bei Zahlungsverzug fristlos kündigen und sich einen anderen Betreiber suchen.

Die Erhöhung der Baukosten um 12,8 Millionen auf insgesamt fast 50 Millionen Mark soll aus drei Töpfen finanziert werden: Die Bauverwaltung des Senats übernimmt 3,5 Millionen Mark, die Investitionsbank Berlin wird einen Sponsoringvertrag mit dem Tempodrom abschließen und den Rest soll die Lottostiftung beisteuern. Für die Zukunft regte Strieder an: "Senatsverwaltungen, die Bauplanungsunterlagen nicht-öffentlicher Bauvorhaben prüfen, müssen bei Kostensteigerungen dieser Art das Recht erhalten, konkrete Sparungmaßnahmen rechtzeitig anzuordnen". Diese Möglichkeit gebe es bisher nicht. Überlegenswert sei auch, die Vergabe von Kreditbürgschaften von der Wirtschafts- auf die Finanzverwaltung zu übertragen.

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