Terror in Berlin : Sonderermittler stellt Amri-Gutachten vor

Hätte Anis Amri rechtzeitig festgesetzt und abgeschoben werden können? Das ist hoch umstritten. Ein Gutachter stellt jetzt seine Untersuchungsergebnisse zum Handeln der Behörden vor.

Fahndungsfotos des im Zusammenhang mit dem Terroranschlag von Berlin-Attentäters Anis Amri.
Fahndungsfotos des im Zusammenhang mit dem Terroranschlag von Berlin-Attentäters Anis Amri.Foto: Arne Dedert/dpa

Mitten in der neu aufgeflammten Diskussion um die Rolle der NRW-Behörden im Fall Amri stellt der von der Landesregierung beauftragte Experte am Montag sein Gutachten vor. Der Gießener Strafrechtsprofessor Bernhard Kretschmer wird in der Düsseldorfer Staatskanzlei seine Ergebnisse zum Terrorfall Anis Amri präsentieren. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen. Die Landesregierung hatte Kretschmer im Januar als Sonderermittler beauftragt, um mögliche Fehler der Behörden im Umgang mit dem als Gefährder eingestuften Mann herauszuarbeiten. Kretschmer ist in dieser Woche auch als Zeuge im Amri-Untersuchungsausschuss des Landtags geladen.

Der Tunesier Amri hatte am 19. Dezember in Berlin den schwersten islamistischen Anschlag auf deutschem Boden mit zwölf Toten verübt. Auch ein Untersuchungsausschuss des Landtags hinterfragt, warum sich der Gefährder und abgelehnte Asylbewerber vor allem in Nordrhein-Westfalen frei bewegen konnte. Innenminister Ralf Jäger (SPD) hatte erklärt, eine Abschiebehaft für Amri sei rechtlich nicht möglich gewesen. Das bezweifeln die Oppositionsfraktionen.

Am Wochenende hatte eine frühe interne Warnung des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts zur hohen Gefährlichkeit von Amri neue Fragen aufgeworfen. Demnach alarmierte das LKA laut „Bild am Sonntag“ das NRW-Innenministerium schon im März 2016, dass Amri einen Terroranschlag planen könnte. Das Innenministerium betonte, der Vermerk sei „nicht neu und enthält auch keine neuen Erkenntnisse“. Dem widerspricht die CDU. Jäger habe „diese überdeutliche Warnung und Mahnung der LKA-Experten im Landtag und im Bundestag kein einziges Mal erwähnt“.

FDP-Chef Christian Lindner nahm das Papier des Landeskriminalamts zum Anlass, erneut die Entlassung von Jäger zu fordern. „Wenn Ministerpräsidentin (Hannelore) Kraft ihren Innenminister jetzt nicht entlässt, dann wird aus dem Fall Jäger ein Fall Kraft“, sagte er den Dortmund „Ruhr Nachrichten“. „Das Land Nordrhein-Westfalen kann sich dieses Sicherheitsrisiko im Kabinett nicht länger erlauben.“

(dpa)

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