Berlin : Teure Schönheit Hauptbahnhof

Eine Milliarde Euro Baukosten – der Architekt wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe zu teuer geplant

Matthias Oloew

Meinhard von Gerkan ist wütend. Der Architekt des Hauptbahnhofs ist von der Heftigkeit der Vorwürfe gegen ihn, die der Vorstandsvorsitzende der DB Station und Service AG, Wolf-Dieter Siebert, gestern im Tagesspiegel erhoben hatte, offensichtlich überrascht. „Das fantasievolle Märchen, das Herr Siebert geschrieben hat, strotzt vor Unrichtigkeiten und Entstellungen“, sagte von Gerkan dem Tagesspiegel. Nahezu alle Anschuldigungen „treffen die Bahn selbst“, weil nicht die Architekten, sondern sie selbst allein die Verantwortung für Kosten und Termine getragen habe. „Die Bahn hat ausdrücklich jede Mitwirkung dafür verweigert“, sagte von Gerkan. Er kündigte an, dass „eine Richtigstellung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen wird“.

Gelegenheit dazu dürfte der Termin vor dem Haushaltsausschuss des Bundestages sein. Vor dem Gremium soll die Bahn AG die Kosten für den Bau des Bahnhofs darlegen. Wolf-Dieter Siebert hatte in seinem Zeitungsbeitrag die wichtigste Zahl vorweggenommen: Rund eine Milliarde Euro habe der Bau gekostet. Damit hat die Bahn AG erstmals beziffert, wie teuer der gefeierte Neubau geworden ist. Bisher sprach sie nur davon, dass die Baukosten in einem dreistelligen Millionenbereich teurer geworden seien.

In die Summe rechnet die Bahn aber nicht nur die Kosten für das Gebäude nach den Plänen von Gerkans mit ein, sondern auch die für die Schienentrassen, die in das Bahnhofsgebäude führen. Die Kosten seien während des Baus geradezu explodiert, so die Bahn. Für das gesamte Projekt waren 700 Millionen Euro vorgesehen, am Ende sind es 300 Millionen mehr geworden. Der Bund habe seinen Beitrag bei 500 Millionen Euro gedeckelt, so dass die Bahn AG die Mehrkosten allein tragen musste, so Siebert.

Siebert hält von Gerkan vor, in der ursprünglichen Planung für den Bahnhof ein Glasdach vorgeschlagen zu haben, dass in etwa so kurz ausfällt wie die jetzt gebaute 321 Meter lange Version. Als Beweis dient ihm ein Tagesspiegel-Foto aus dem Jahr 1993 auf dem der Architekt mit dem damaligen Senatsbaudirektor Hans Stimmann, Ex-Bausenator Wolfgang Nagel und Ex-Bahn-Chef Heinz Dürr das Modell begutachtet.

Dem hält von Gerkan entgegen, dass es Teil der Ausschreibung gewesen sei, ein 430 Meter langes Dach zu errichten. Das Modell mit dem kurzen Dach sei eine von mehreren Varianten gewesen, die der Architekt vorgeschlagen habe. Nachdem er den Zuschlag bekommen habe, sei festgelegt worden, das Dach auf 430 Meter zu strecken. Das sei für ICE-Bahnhöfe üblich, so von Gerkan. Das lange Dach hat die Bahn beim Bau wieder gekappt – aus Kostengründen, wie die Bahn sagt.

Der Streit um die Kosten verdrängt die Diskussion darüber, ob es möglich ist, die bereits produzierten und eingelagerten Teile des Glasdachs nachträglich anzufügen. Während Experten des Bundesbauministeriums die Meinung vertreten, dass dies mit einigem Aufwand möglich sei, hält die Bahn AG dagegen. Dies sei nicht ohne eine längere Unterbrechung des Bahnverkehrs zu schaffen. Das komme für die Bahn aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht in Betracht.

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