Berlin : Teurer Umzug

Kneipiers verlassen das Tacheles in Mitte Sie sollen eine Million Euro erhalten haben

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Die „Gruppe Tacheles“ hat die Schlüssel für das Café Zapata, für Kino, Restaurant, Galerie, Biotop und Freifläche abgegeben und das besetzte Areal verlassen. Die Gruppe ließ öffentlich verbreiten, dass sie im Gegenzug eine Million Euro erhalten habe. Allerdings will die HSH-Nordbank, die über einen Insolvenzverwalter die Zwangsversteigerung des 25 000 Quadratmeter großen Areals betreibt, nichts von irgendwelchen Zahlungen wissen.

Wie es bei der Gruppe Tacheles weiter hieß, habe weder die Bank „die Möglichkeit zum Kauf gegeben, noch hat es ein Signal der Berliner Politik gegeben, die den weiteren Betrieb ermöglicht hätte“. Die HSH-Nordbank bestätigte, dass man über den Erwerb der besetzten Flächen verhandeln wollte. „Leider ist es daran gescheitert, dass die interessierten Investoren ausschließlich den Erwerb des Gesamtareals anstreben“, sagte Sprecherin Gesine Dähn. Deshalb sei die von der Gruppe Tacheles angestrebte „Herauslösung von Teilgrundstücken nicht infrage gekommen“.

Das Tauziehen um das Grundstück in bester Lage von Mitte ist damit aber noch lange nicht beendet. Denn in der Kaufhausruine selbst wohnen und arbeiten weiterhin etwa 70 Künstler. „Dass heute der Ballermann geräumt wurde, ist für uns kein großer Verlust“, sagt der Wortführer Martin Reiter. „Ballermann“ nennt er den Kneipen- und Restaurantbetrieb um den Zapata-Betreiber und ehemaligen Wegbegleiter Ludwig Eben. Jahrelang hatten sich Künstler und Kneipiers fast nur noch vor Gericht miteinander gesprochen und etwa über die Betriebskosten des Areals gestritten.

Nach Angaben der HSH-Nordbank hat der Zwangsverwalter „Sicherungsmaßnahmen veranlasst“, damit das von der Tacheles-Gruppe freigegebene Gelände nicht erneut besetzt werden kann. Zeugen berichten, dass auf dem Gelände ein Rechtsanwalt in Begleitung von Personenschützern unterwegs gewesen sei. Das Künstlerhaus habe dieser aber nicht betreten. Dort wird zurzeit geprobt für die Premiere des Tanztheater-Stückes „Five Soldiers“. Auch die Metallwerkstatt ist geöffnet und gut besucht.

„Wir machen Programm, wir sind drin und bleiben auch drin“, sagte Reiter. Ein Angebot der HSH-Nordbank zu Gesprächen habe er mit der Zusendung eines Zwischennutzungsvertrages beantwortet, worauf die Bank aber nicht reagiert habe. Die Künstler waren zunächst in einem Verein organisiert. Dieser hatte sogar einen Mietvertrag zum symbolischen Preis von einem Euro abgeschlossen. Doch der lief nur bis zum Jahr 2008. Danach hatte die HSH-Nordbank marktübliche Mieten für die Nutzung des Gebäudes verlangt. Daraufhin ging der Verein in die Insolvenz.

Nach Auffassung der Künstler berührt die Insolvenz des Vereins aber nicht die Mietverträge, die jeder Einzelne mit dem Verein abgeschlossen hatte. Einer Räumungsklage sähen sie daher gelassen entgegen. Ralf Schönball

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