Berlin : Teures Vergnügen: Ratlose Suche nach dem "zentralen Festplatz" der Stadt

Heidemarie Mazuhn

Der "zentrale Festplatz" der Stadt war auch am Freitagabend wieder ein unbekannter Ort für viele Besucher der Premiere des Großen Asiatischen Circus "Asiana". Wer mit der U-Bahn am Kurt-Schumacher-Platz ankam, suchte ratlos bei anderen Passanten Auskunft, wo der Platz sei und wie man dorthin komme. Und wer freundliche Auskunft und damit einen Bus in Richtung Festplatz fand, war noch lange nicht am Ziel. seiner Wünsche.

Nach einer Station schon hieß es aussteigen. Danach war Laufen angesagt. Nicht ein paar lumpige Meter, sondern eine auch bei schönem Wetter gesunde Fußstrecke und bei nasskaltem Herbstregen wie am Freitagabend der nicht sehr angenehme Auftakt eines schönen Abends. Der fand zu mitternächtlicher Stunde dann ein noch unangenehmeres Ende - im Regen warteten nicht wenige auf ein Taxi, um wieder in bekanntere Gefilde zu gelangen. Taxis müssten doch kommen, wenn Premiere ist, meinte eine Besucherin. Bei ihr in Hamburg sei das jedenfalls so.

"Wir stehen alle da vorn", schnauzte wenig später ein Vertreter der Fahrergilde - von einer Handybesitzerin angelockt - und wies in fremdes Dunkel. Zum Festgelände sei ihnen die Einfahrt verboten, "Sie sehen doch die Polizisten hier". Bereits zum jüngsten Deutsch-Französischen Volksfest hatten Rummelgänger und Schausteller geklagt, dass der Platz am Kurt-Schumacher-Damm nur schwer zu erreichen sei - für Autofahrer und BVG-Fahrgäste gleichermaßen. Zehn Millionen Mark wurden von der EU und Berlin in das 50 000 Quadratmeter große Areal des ehemaligen französischen Militärgeländes am Kurt-Schumacher-Damm investiert, um daraus einen Festplatz zu machen. "Nicht mal geschenkt" würde er seinen Circus Roncalli so weit weg vom Schuss aufbauen, hatte aber schon vor Monaten Bernhard Paul mit künftiger Berlin-Abstinenz bei seinen Auftritten gedroht.

Bei den Schaustellern stehen 2000 gut ein Drittel weniger Besucher und 60 Prozent geringere Einnahmen zu Buche. Und die Antwort von Finanzsenator Peter Kurth auf eine Kleine Anfrage im Parlament zum Zentralen Festplatz macht auch nicht optimistisch. Ursache des mangelnden Anreizes könne die mangelhafte Erschließung sein, vermutet der Senator. Der über die Fußgängerbrücke zum Saatwinkler Damm geplante Zugang soll die Lage verbessern. Wann, hat Kurth allerdings nicht gesagt.

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