"The Berliner" : Dönerbude in Seattle

Kebab für 6,49 Dollar: In den USA hat ein Imbiss nach Berliner Vorbild geöffnet. Die Döner haben Namen wie "The Mehringdamm" und "Der feurige Kreuzberger".

Bis nach Seattle hat es der Döner schon gebracht. Getauft wurde der Laden nach seiner Herkunftsstadt: The Berliner.
Bis nach Seattle hat es der Döner schon gebracht. Getauft wurde der Laden nach seiner Herkunftsstadt: The Berliner.Foto: dpa

Eigentlich ist es ein normaler Döner: Salat, Fladenbrot, Fleisch und scharfe Soße. Ungewöhnlich ist auch nicht der Döner, sondern seine Herkunft. In Seattle im US-Bundesstaat Washington, ganz im Nordwesten der USA, versucht ein Amerikaner, seine Landsleute an neues Fastfood zu gewöhnen. Und das in komplett deutschem Gewand: „The Berliner“ ist die wohl westlichste Dönerbude der Welt.

„Ich hatte hier vorher die Lizenz einer Imbisskette, aber ich wollte etwas Besonderes“, erzählt Victor. „Die Frage war: Was schmeckt gut und was haben wir hier nicht in Seattle?“ Keine einfache Frage in einer Stadt mit Einwanderern aus aller Welt und allen Kulturen. Dann kam er nach Berlin und lernte Döner Kebab kennen. „Das war großartig! Und in Berlin gibt es das an jeder Ecke!“

Ganz leicht war die Idee nicht umzusetzen. „Das passende Brot gibt es hier nicht. Ich habe nach langem Suchen einen Bäcker gefunden, der es speziell für mich backt. Und das macht er toll, es schmeckt besser als manches in Berlin.“ Die Fleischspieße gibt es in Washington auch nicht. „Also haben wir sie selbst gemacht. Aber kleiner, weil die Gesetze hier vorschreiben, dass es nach höchstens einem halben Tag verbraucht sein muss.“

Wie der Laden aussehen sollte, war schnell klar. Beim „The Berliner“ bildet der Fernsehturm das „i“, die Wände sind mit Bildern des Brandenburger Tores und von Mauergraffiti geschmückt. Die Döner heißen „The Mehringdamm“ oder „Der feurige Kreuzberger“ und kosten 6,49 Dollar, also gut 4,50 Euro. Problem: „Die Leute haben das sofort als Deutsch wahrgenommen, haben aber keine Döner erwartet. Den kannten sie ja gar nicht.“ Einige zogen enttäuscht ab, als es keine „dschörmän Brätwörst“ gab.

Langsam, ohne Werbung wurde der Döner aber immer bekannter. Die lokale Zeitung berichtete von einem „in unserer Stadt unvergleichlichen Geschmackserlebnis“, die „leckere Soße“ verhindere, „dass es einfach nur ein weiteres langweiliges Griechengyros ist“.

Victors Kunden sind Türken mit Heimweh oder deutsche Touristen, vor allem aber Angestellte aus den umliegenden Büros. „Ich kenne Döner aus Berlin“, sagt in perfektem Deutsch Brad, der als Sohn eines PanAm-Piloten in der damals noch geteilten Stadt aufwuchs. „Ich war sehr skeptisch, bin jetzt aber total begeistert.“ Eine andere Kundin hätte solche Speisen in Deutschland gar nicht vermutet. „Und das habt ihr an jeder Ecke?“, fragt sie. „Mann, müsst Ihr ein glückliches Volk sein.“ (dpa)

54 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben