Berlin : Thekentanz: Ankerklause

Esther Kogelboom

Okay, die Ankerklause ist nicht neu. Streng genommen ist sie schon sechs Jahre alt. Aber trotzdem ist sie der unvermeidliche Laden für den Donnerstag. Denn nur Donnerstags gibt es in der Ankerklause am Maybachufer ein lustiges Tanzprogramm mit Gute-Laune-Garantie. Versprochen.

Vor zwei Uhr morgens dort aufzutauchen, ist allerdings nicht unbedingt empfehlenswert - dann ist es noch so voll, dass das Kondenswasser von der maritim dekorierten Decke tropft und alle allen ständig auf die Füße treten. Danach ist genug Platz zum Tanzen, vielleicht sieben Quadratmeter für alle, und meistens gibt es Heavy Easy Listening: "Sunny, yesterday my life was filled with rain ..." Unvergessen der Abend, an dem der Boney M.-Klassiker in mindestens 15 Versionen in Folge gespielt wurde.

Will man in der Ankerklause die Frau oder den Mann fürs Leben finden oder sucht nur jemanden zum Küssen auf dem leider nur im Sommer geöffneten Balkon, so ist das ein Leichtes - bei französischen Porno-Soundtracks ist das irgendwie leichter als bei kompliziertem Konzept-Klangkrieg.

Aber Vorsicht, die Ankerklause ist nah am Wasser gebaut, und es gibt etwa 52 Donnerstage im Jahr. Hat man eine Hornbrille auf und einen Fischgrät-Mantel an (als Mann) oder den richtigen Itzy-Bitzy-Hüftschwung und das Neuste aus der Humana-Trendabteilung an der Hermannstraße (als Frau), entspricht man dem Dresscode und kann sich entspannen. Ist man jedoch aus Mitte oder München angereist ("Was denn, nur fünf Mark Eintritt?") und auf der Suche nach der Exotik Neuköllns, braucht man erstmal ein paar Schnäpse. Denn in der Ankerklause tanzt alles ganz wunderbar durcheinander.

Hans Albers, gib uns Deinen Segen! Und jetzt nochmal alle: "Sunny, thank you for the smile upon your face ..."

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