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Jeden Montag im Tagesspiegel: Unsere Serie "Familie in Berlin".
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Familie in Berlin

EINE ALLEINERZIEHENDE ARABERIN

„Ich bin keine Mitläuferin. Ich habe meinen eigenen Kopf.“ Mariam Kaddoura, 29, ist eine selbstbewusste Araberin. Sie liebt die arabische Kultur und auch, Muslimin zu sein. „Ich lebe danach, was der Koran sagt, nicht danach, was manche Leute denken.“ Denn sie findet, dass viele Tradition mit Religion verwechseln. Die Mutter zweier Kinder arbeitet im deutsch-arabischen Zentrum in Neukölln und plant eine Ausbildung zur Sozialassistentin. Sie ist zwar alleinerziehend, aber mit Tochter Ghalia und Sohn Karim keineswegs allein. Zur großen Familie gehören nämlich auch Miriams Bruder, fünf Schwestern und ihre Eltern, die alle in Neukölln oder Umgebung wohnen. Jeden Freitag kommen die Familienmitglieder bei Mutter Souad, 54, und Vater Khaled, 64, zusammen, essen und spielen auch mal Karten. Der neunjährige Karim hängt sehr an seinem Großvater, für Ghalia ist Großmutter Souad „fast eine zweite Mutter“. Sie war Mariam Kaddoura eine große Hilfe, als sie mit 20 ihren Realschulabschluss nachholte. Den schlechten Ruf Neuköllns versteht Mariam nur zum Teil. „Ich liebe den Bezirk. Wenn ich mal woanders sein muss, bin ich wie eine Blume ohne Wasser.“ Jeder kenne hier jeden, besonders in der Straße, in der sie lebe. Die Jugendlichen helfen ihr mit den schweren Einkaufstaschen. „Aber ich schätze mal, jeder sieht eben das, was er sehen möchte.“ Anne Gonschorek

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