Berlin : Thierse: Kritik an Tor-Sanierung unfair

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Wolfgang Thierse ging gestern Mittag durch eine Geheimtür, setzte sich einen gelben Bauhelm auf und kletterte blitzschnell gut hundert Gerüststufen das Brandenburger Tor hinauf. Als Schirmherr der privaten Stifung Denkmalschutz, die das Tor saniert, hatte der Bundestagspräsident das gute Recht dazu. Lothar de Maizière, der Vorsitzende, folgte ihm in guter Kondition. Oben, in der Soldatenkammer, würdigten sie die Leistung der Tor-Sanierung, und Lothar de Maizière kündigte ganz nebenbei an, dass sich die Stiftung künftig auch um die Sanierung des maroden Strandbads Wannsee kümmern wolle. Man werde sich bewerben.

Aber hauptsächlich gings um das Tor, und der Termin der von Reportern begleiteten Ortsbesichtigung war nicht zufällig. Gerade hatte das Hamburger Landgericht den Streit zwischen Stiftung und einem Nachrichtenmagazin zugunsten der Tor-Sanierer entschieden. Diese hatten sich unfair behandelt gefühlt und Kritik an der Auftragsvergabe und der unerwartet langen Sanierung nicht auf sich sitzen lassen wollen.

Thierse beruhigte, alles sei vergaberechtlich überprüft, er habe die öffentliche Ungeduld über die langwierigen Arbeiten verstehen können, aber Gründlichkeit gehe vor Schnelligkeit, und es hätten sich eben unerwartete Schäden an Fundamenten und Säulen gezeigt. Eine schuldhafte Verzögerung habe es jedenfalls nicht gegeben. Nach insgesamt 22 Monaten – Hauptsponsor Telekom zahlt alle vier Wochen rund 179 000 Euro – soll das Tor am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit übergeben werden.

Inzwischen war auch Christoph Stölzl, der designierte Landesvorsitzende der CDU und frühere Kultursenator, aufs Tor geklettert. Er erinnerte an die Große Koalition, der das Sanierungsmodell zu verdanken sei.

Dann kletterten die Herren herunter, besichtigten zwischendurch noch eine reparierte „Sorgen-Säule“, und schon gings durch die Geheimtür wieder ins Freie.C. v. L.

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