Tierdrama im Zoo : Löwen auf dem Weg der Besserung

Die fünf Jahre alten Löwen Aru und Aketi scheinen auf dem Weg der Besserung zu sein. Zoobesucher und Personal spekulieren nun wild, ob die Tiere wirklich vergiftet wurden.

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Unter Beobachrung. Die Löwen Aru und Aketi (r.) in ihrem Gehege im Zoo. Foto: dpa
Unter Beobachrung. Die Löwen Aru und Aketi (r.) in ihrem Gehege im Zoo. Foto: dpaFoto: dpa

Aru liegt schlaff auf der Seite. Auf einer Art Wandregal, das wie ein überdimensioniertes Bücherbord wirkt. Es ist groß genug für einen Löwen. Ab und zu zucken seine Pfoten, die über das Brett hinausragen. Eine Frau auf der anderen Seite des Gitters scherzt: „Das sieht ja aus, als liege er auf einer Krankenbahre.“ Ein älterer Mann sagt zu seiner kleinen Enkelin: „Guck mal, der ist müde.“ Währenddessen spaziert das zweite Raubtier im Käfig, eine Löwin, gelassen hin und her.

Sie kämen von außerhalb und wüssten gar nicht, dass die Löwengeschwister Aru und Aketi krank sind, sagen viele Zoobesucher am Sonnabend im Raubtierhaus. Noch am Freitag berichteten Besucher erschrocken, die Löwen hätten wankend in ihrem Käfig gestanden, mit Schaum vorm Maul. Sie litten seit Anfang der Woche unter Kolikkrämpfen und Atemnot, es schien sogar ungewiss, ob sie überleben. Manche Verantwortliche im Zoo vermuten, dass ein Besucher die Löwen vergiftet haben könnte.

Am Sonnabend scheinen die fünf Jahre alten Tiere erschöpft, aber auf dem Weg der Besserung zu sein. „Ihnen geht es wieder verhältnismäßig gut, sie machen einen besseren Eindruck als gestern“, sagt Ragnar Kühne, einer der Tierärzte. „Und das Futter war weg. Das heißt, mindestens einer hat ordentlich gefressen.“ Das Antibiotikum hat offenbar gewirkt, aber noch weiß niemand genau, was mit den Geschwisterlöwen los war. Weil sie während der Krankheit so wenig gefressen haben, konnte der Tierarzt ihren Kot nicht untersuchen, um die Ursache für Koliken und Atemnot herauszufinden. „Dass beide gemeinsam krank geworden sind, lässt Spekulationen zu“, sagt Kühne. Und spekuliert wurde viel in den letzten Tagen.

Raubtierkurator Heiner Klös hatte am Freitag erklärt, dass man im Zoo die „Vermutung hege, dass ihnen etwas reingeworfen wurde“ – was Direktor Bernhard Blaszkiewitz am selben Abend dementierte. Tierarzt Kühne sagt: „Wir haben keine Anhaltspunkte, was wirklich passiert ist.“ Er könne sich ebenfalls nicht vorstellen, dass jemand absichtlich etwas ins Gehege geworfen hat, um den Tieren zu schaden. Es könne auch eine Infektion gewesen sein, die den beiden Raubkatzen zu schaffen machte.

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„Ich habe mir Sorgen um die Löwen gemacht. Eine Vergiftung wäre das Logischste. Die Leute können ja einfach Buletten rüberwerfen“, sagt Wilfried Lieder. Er verkauft als Mitglied des Fördervereins des Zoos an einem Stand Bücher und Kuscheltiere, um den Zoo zu unterstützen – direkt vor dem Eingang zum Raubtierhaus. Andererseits habe er selbst noch nie so etwas beobachtet. Zoosprecherin Claudia Bienek hat andere Erfahrungen gemacht. „Neulich habe ich gesehen, wie eine Besucherin fast ein Leberwurstbrot ins Koi-Aquarium geworfen hat“, sagt sie. Das konnte sie gerade noch verhindern. „So etwas passiert immer wieder. Vor allem in den Wasserbecken finden wir viel: Handytaschen, Bälle, Feuerzeuge und leere Pappbecher.“

Die Zoomitarbeiter seien sowieso angehalten, darauf besonders zu achten – aber das ginge eben nicht ständig und überall. Dass jemand durch den Zoo läuft und absichtlich Tiere vergiftet, befürchtet der Zoo nicht. Außer im Löwengehege schien in den vergangenen Tagen kein Krankheitsfall verdächtig.

Bei einer älteren Stammbesucherin bleiben trotzdem Zweifel: „Erst unser Knut, dann gab es ja noch andere merkwürdige Fälle und jetzt das. Das sind ganz schön viele unheimliche Sachen in ziemlich kurzer Zeit.“

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