TIERPARK : Ein Herz für Dickhäuter

Die CDU stellt ihr Konzept für eine Erlebniswelt im Tierpark vor und erwartet vom Zoo eine Kosten-Nutzen-Analyse.

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Im Streichelzoo. Frank Henkel, der CDU-Landesvorsitzende und Innensenator, war schon öfter im Tierpark zu Besuch. Archivbild (2011): Davids/Darmer
Im Streichelzoo. Frank Henkel, der CDU-Landesvorsitzende und Innensenator, war schon öfter im Tierpark zu Besuch. Archivbild...Foto: DAVIDS

Der Berliner Zoo punktet durch Artenvielfalt, historische Bauten und die zentrale Lage. Der Tierpark in Friedrichsfelde, mit 160 Hektar Fläche Europas größter Landschaftstierpark, dagegen hat ein tierisches Problem: Viel Platz, viel Grün, viele Tiere, aber kaum Besucher. Seit zwei Jahren verstaubt ein „Masterplan Tierpark 2020+“ in den Schubladen. Die Politik fordert seit langem von der Geschäftsführung von Zoo und Tierpark eine tragfähige Kosten-Nutzen-Analyse. Bisher vergeblich. Am Montag präsentierte die CDU-Fraktion ihr Konzept für den Tierpark als „modernen Zoo der Zukunft“: ein Dienstleistungsunternehmen und ein Ort, an dem sich zukunftsweisende Tierhaltung, Bildung, Artenschutz, Forschung und Freizeit vereinen.

Die CDU-Abgeordneten Danny Freymark und Alexander Herrmann fordern von der Geschäftsführung und dem Aufsichtsrat von Zoo und Tierpark eine Prioritätenliste als Grundlage. Freymark, gebürtig in Lichtenberg, plädiert für individuelle Tarife wie Morgen- und Abendtickets statt einer Tageskarte für Erwachsene für zwölf Euro. Freymark schlägt die Umbenennung der U-Bahnlinie U 5 zur Tierparklinie und der Tram-Station Alfred-Kowalke-Straße/Am Tierpark in Schloss Friedrichsfelde/Am Tierpark vor. Statt das Schloss wie geplant als Verwaltungsgebäude zu nutzen, müsse man für das frühklassizistische Gebäude ein Veranstaltungskonzept entwickeln. So könnte die Freilichtbühne unter anderem für Greifvogelvorführungen genutzt werden.

Die CDU-Politiker fordern eine deutlich bessere Qualität in der Gastronomie und in der Erschließung des Tierparks. Elektrisch betriebene Kleinfahrzeuge würden auch zur Präsentation der Hauptstadt als „Schaufenster der Elektromobilität“ passen. Die Umgestaltung des Tierpark-Eingangs dagegen lehnt die CDU-Fraktion ab. Dieses Projekt namens „Servicezentrum Bärenschaufenster“ ist von dem Masterplan, der federführend vom kaufmännischen Zoo-Vorstand Gabriele Thöne entwickelt wurde, als einziges übrig geblieben. Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz lehnte bislang Modernisierungen zum Erlebnispark ab.

Der Masterplan umfasst 80 Millionen Euro. „Die Umsetzung erfordert zusätzliche finanzielle Mittel, die der Tierpark selber nicht hat“, teilt der Tierpark auf Anfrage mit. In der Tat: Die Tierpark-Kasse ist leer. „Der Tierpark muss attraktiver werden, um mehr Besucher anzuziehen“, fordern Freymark und Herrmann.

Niemand glaubt, dass der mit 80 Millionen Euro umschriebene Masterplan umgesetzt wird. „Das ist unrealistisch. Der Plan muss überarbeitet werden“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Torsten Schneider. „Um die Attraktivität und die Besucherzahlen zu verbessern, sind Investitionsmaßnahmen nötig“, sagte SPD-Fraktionschef Raed Saleh nach seinem Tierpark-Besuch am vergangenen Freitag. Vom Tierpark fordert er „endlich ein aussagekräftiges Planungs- und Nutzungskonzept. Ohne eine stimmige Kosten-Nutzen-Rechnung geht es nicht.“

Der Senat hat im Doppelhaushalt 2014/2015 jeweils 6,2 Millionen Euro Betriebskostenzuschuss eingeplant. „Wenn eine Kosten-Nutzen-Analyse vom Tierpark nicht vorliegt, wird es kein Geld geben“, sagte CDU-Politiker Herrmann. Darüber wird das Parlament nach der Sommerpause debattieren. Auch Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop fordert eine „Neuausrichtung des Tierparks“ und ein „artgerechtes Umfeld. Stichwort Klasse statt Masse“. Blaszkiewitz stehe nicht für eine Neuausrichtung. „Er sollte den Weg freimachen für einen Neuanfang“, forderte Pop. Dem Vernehmen nach lädt der Aufsichtsrat kommende Woche zu einer Sondersitzung. Auch die Personalie Blaszkiewitz soll Thema sein.

Der Tierpark ist das Sorgenkind der Zoologische Garten Berlin AG: Während den Zoo in der City West 2012 fast drei Millionen Menschen besuchten, zählte der Tierpark Friedrichsfelde eine Million. Der Zoo erhält, anders als der Tierpark, keine Landeszuschüsse mehr – er finanziert den größten Landschaftstiergarten Europas in Friedrichsfelde mit. Im weiten Tierpark-Grün sind laut Tierinventur 1383 Säugetiere, 2225 Vögel, 543 Kriechtiere, 51 Lurche, 1070 Fische und 2087 Wirbellose zu sehen. Für Familien gibt es Leih-Bollerwagen, im restaurierten Schloss Friedrichsfelde und auf der Freilichtbühne Veranstaltungen: Eintritt 12, ermäßigt 9, Kinder 6 Euro. Gruppen ab 20 Personen 11 Euro. kög

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