Berlin : Todesfahrt: Polizei schweigt Ingenieur soll Ursachen klären

Gegen Fahrer wird ermittelt

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Ein unabhängiges, privates Ingenieurbüro soll im Auftrag der Polizei die Ursachen des Unfalls klären, bei dem Sonntag früh während einer Einsatzfahrt in Friedrichshain ein 78jähriger Passant von einem Streifenwagen getötet wurde. Nach Auskunft einer Polizeisprecherin wird möglicherweise der Unfall sogar rekonstruiert. Bis erste Ergebnisse vorliegen, könnten aber mehrere Wochen vergehen. Das Ingenieurbüro werde auch den Unfalldatenspeicher (UDS) des Funkwagens endgültig auswerten. Zwar wurden die Daten der Black Box bereits am Montag von Polizeiexperten gesichert, sie könnten in der vorliegenden Form aber nicht vor Gericht verwertet werden.

Gegen den 27-jährigen Fahrer des Funkwagens wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt. Derartige Ermittlungen würden aber bei jedem Unfall, bei dem ein Mensch getötet wurde, aufgenommen, unabhängig davon, ob Polizeibeamte beteiligt waren oder nicht, sagte die Polizeisprecherin. Die Untersuchungen müssten zeigen, ob den Fahrer eine Schuld treffe. Im Fall einer Verurteilung muss der Beamte zusätzlich noch mit disziplinarrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Über die aus dem Unfalldatenspeicher bisher gewonnenen Erkenntnisse schweigt die Polizei, da es sich um ein schwebendes Verfahren handele. Das Speichergerät verzeichnet den Zustand des Streifenwagens und die Aktionen des Fahrers. So bleibt vorerst unbekannt, mit welcher Geschwindigkeit der Funkwagen unterwegs war. Ungeklärt ist auch, warum der Rentner auf die Fahrbahn trat, obwohl der Streifenwagen mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs war.

Wie berichtet, war der Funkwagen Sonntag früh gegen 1.50 Uhr auf der Frankfurter Allee Ecke Kinzigstraße mit dem Rentner zusammengeprallt. Der Passant wurde auf den Fußweg geschleudert und starb am Unfallort. Der Streifenwagen vom Abschnitt 57 war zur Rigaer Straße unterwegs, wo laut einem Anrufer auf der Notrufnummer 110 angeblich ein Mann seine Frau verprügelte. Blinder Alarm, wie sich später herausstellte.

Die Polizei wies am Montag Berichte zurück, wonach die Zahl der Blaulicht-Unfälle stark zugenommen habe. Seit Januar 2002 seien 90 Unfällen bei Einsatzfahrten geschehen, sagte eine Sprecherin. Dabei wurden insgesamt 60 Menschen verletzt, acht von ihnen schwer. Mit dem jüngsten Todesfall kamen in diesem Zeitraum zwei Menschen bei Zusammenstößen mit Polizeifahrzeugen ums Leben.

Seit 1996 wird Polizisten, die Streifenwagen fahren, ein spezielles Sicherheitstraining angeboten. Rund 1800 Beamte werden der Polizei zufolge jährlich geschult. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte das Training aber als unregelmäßig. weso

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