Berlin : Tödliche Absicht

Zwei Berliner Jugendliche stehen in Salzburg wegen zweifachen Mordversuchs vor Gericht

Ingo Wolff

Es war ein teuflischer Plan, den zwei junge Berliner im Oktober 2007 im österreichischen Rohrmoos nahe dem Skiort Schladming verfolgten. Der 15-jährige Ivo H. und der 21-Jährige Dennis H. türmten aus einem Lager für Schwererziehbare in der Steiermark und wollten laut Staatsanwaltschaft auf ihrer Flucht in Salzburg töten, um sich in den Besitz eines Autos zu bringen. Der Plan scheiterte. Seit Montag stehen beide vor einem Salzburger Schwurgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Duo zweifachen Mord- und schweren Raubversuch vor.

Zunächst hatten sie einen Autobesitzer aus dem Haus klingeln, mit einem Messer erstechen und ihm so den Autoschlüssel entwenden wollen. Doch der Mann öffnete nicht. Danach lauerten sie einem Unternehmer mit einer Axt vor dessen Hütte auf. Als der Mann öffnete, schlug der Schüler „aufgrund eines inneren Hemmungszustandes“ jedoch nicht zu. So steht es in der Anklageschrift. Der Mann konnte die Angreifer vertreiben und die Polizei alarmieren. Wenig später wurden die Verdächtigen geschnappt.

Beide Angeklagte legten am Montag ein Geständnis ab, allerdings schob der ältere die Mordabsicht dem jüngeren in die Schuhe. „Ich könnte niemanden verletzen“, erklärte der 21-Jährige. Auch der 15-Jährige sprach später im Prozess von Skrupeln. „Ich war doch nicht fähig dazu, sonst hätten mich Schuldgefühle geplagt“, sagte der Jüngere. Laut Gerichtspsychiater leidet der Jugendliche allerdings an einer ausgeprägten Gefühlskälte sowie an einer Persönlichkeitsstörung und ist als höchst gefährlich einzustufen. Schon im Mai 2007 hatte der 15-Jährige einen Amoklauf in einer Oberschule am Zeugnistag geplant, bei dem er zwei Schüler mit Messern verletzen wollte. Er wurde von der Justiz ermahnt, das Strafverfahren gegen ihn eingestellt. Nach dem geplanten Attentat kam er in ein Kinderhaus in Falkensee, wo er seinen 21-jährigen Freund kennenlernte. Mit zwei Betreuern und einigen Jugendlichen reisten die Angeklagten dann zu dem einwöchigen Urlaub nach Rohrmoos. Nachdem sie hier Geld aus einer Hütte gestohlen hatten, beschlossen sie, mit einem gestohlenen Pkw abzuhauen.

Dass die beiden jungen Männer nicht ernsthaft planten, einen Menschen zu töten, glaubt der Staatsanwalt nicht. Denn unter den Sachen des 15-Jährigen fand die Polizei ein Testament. Darin hatte der Jugendliche Diebstahl und Totschlag angekündigt. „Wollen sie kriminell sein?“, fragte die Richterin. „Wenn Freunde von mir im Bau waren, werden sie besser respektiert“, antwortete der 15-Jährige. Ingo Wolff

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