Berlin : Tonnenschwere Gefahr auf Berliner Straßen

Die Polizei zieht immer häufiger Lkw aus dem Verkehr: Übermüdete Fahrer und große technische Mängel sind ein Sicherheitsrisiko

Werner Schmidt

Die Gefahr ist groß, und sie geht längst nicht mehr nur von den östlichen Nachbarländern aus: Auch an deutschen Lastwagen stellt die Polizei zunehmend Mängel fest, die ein Sicherheitsrisiko sind. Bei Kontrollen wird jeder zweite Lkw beanstandet. In diesem Jahr hat die Polizei bereits 38 Lastwagen wegen erheblicher technischer Mängel aus dem Verkehr gezogen. Zehn davon kamen aus dem Ausland. Erst am Wochenende musste, wie berichtet, ein längst nicht mehr verkehrssicherer polnischer Lkw in Spandau stehen bleiben.

Lkw ab 3,5 Tonnen müssen ohnehin jährlich zum TÜV, die bei Kontrollen entdeckten Mängel vom abgefahrenen Reifen bis zum schadhaften Bremszylinder aber steigen. Dazu kommen die Verstöße gegen die Lenkzeiten, die den Kontrolleuren fast noch mehr Kummer bereiten. Doch „das wird sich wohl nie ändern“, glaubt Wolfgang Mache von der Berliner Verkehrspolizei. Die technischen Probleme immerhin könnten seiner Auffassung nach verringert werden, wenn die deutschen Fahrzeuge künftig alle sechs Monate zur technischen Untersuchung müssten. Aber das ginge zu Lasten der Wirtschaftlichkeit der Speditionen.

Dringend geboten wäre es. So wurden während einer Kontrolle des BGS im Dezember auf der Autobahn A 12 von Frankfurt (Oder) nach Berlin 46 Lastwagen gestoppt. Bei 26 wurden Mängel an Ladung und Fahrzeug festgestellt. Vier mussten stehen bleiben, bis die Schäden behoben waren.

Eine Verringerung der TÜV-Intervalle hat bisher niemand offiziell gefordert. Eine Unbedenklichkeitsbescheinigung für ausländischen Lkw sei wohl einmal diskutiert, aber nie ernsthaft verfolgt worden, erinnert sich ein Dekra-Mitarbeiter in Stuttgart. Auch sei unklar, wer sie ausstellen sollte. Und eine TÜV-Plakette bedeutet ohnehin nur, dass das Fahrzeug an dem Tag, als sie aufgeklebt wurde, technisch in Ordnung war, schränkt Wolfgang Mache ein. Nach wenigen Wochen und einige 1000 Kilometern auf den Buckelpisten Polens, Lettlands oder Russlands könnten wieder erhebliche Schäden auftreten.

Zudem bezweifeln die Fachleute, ob mit einer Unbedenklichkeitsbescheinigung Fälle wie der kürzlich in Spandau entdeckte tatsächlich verhindert werden könnten. Der Lkw mit einem 25-Jährigen am Steuer war wegen defekter Bremsen aufgefallen. Nicht das erste Mal: Schon im November hatte die Polizei den Wagen sichergestellt. Der Eigner transportierte ihn nach Polen, ließ ihn aber nicht reparieren, sondern schickte ihn ,it neuen Papieren wieder auf Tour.

Die Polizei gibt solche Fahrzeuge nur frei, wenn die Strafe bezahlt ist und der Halter entweder einen Reparaturauftrag für eine deutsche Werkstatt oder einen so genannten Schleppauftrag für eine Transportfirma bis zur Grenze vorlegt, sagt Mache.

120 verkehrsunsichere Lastwagen zog die Berliner Polizei im vergangenen Jahr aus dem Verkehr. 40 stammten aus den östlichen Nachbarländern, acht aus dem westlichen Ausland, 72 trugen deutsche Kennzeichen. Die Laster mussten für ein technisches Gutachten zum TÜV. Häufig bekamen die Beamten danach zu hören, dass von dem Lkw eine „Gefahr für die Allgemeinheit“ ausgegangen sei. „Mit dem Ausfall des Bremssystems“ hätte man jederzeit rechnen müssen.

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