Berlin : Topographie des Terrors: Senat entscheidet heute über NS-Dokumentationszentrum

CD

Der Senat plant für heute einen Beschluss zum Neubau des NS-Dokumentationszentrums "Topographie des Terrors", dessen Kosten gemäß der Vorlage von Bausenator Peter Strieder (SPD) auf 76 Millionen Mark steigen werden. Am 4. April befasst sich der parlamentarische Hauptausschuss mit dem Thema. Der CDU-Haushaltsexperte Alexander Kaczmarek lehnte die Kosten am Montag als zu hoch ab und forderte eine Neuplanung. Trotzdem rechnet die Bauverwaltung mit der Zustimmung des Senats und Parlaments. Eine Kommission habe diverse Vorschläge gemacht, damit die Verteuerungen so gering wie möglich ausfallen, sagte Sprecherin Petra Reetz. "Mehr ist nicht drin." Im "Idealfall" könnten die vor einem Jahr unterbrochenen Bauarbeiten im Sommer weitergehen und 2004 abgeschlossen sein.

Die ursprüngliche Kostenschätzung für die "Topographie des Terrors", welche das frühere Gestapo-Hauptquartiers mit seinen Folterkellern an der Wilhelm- / Ecke Niederkirchnerstraße dokumentiert, hatte bei 36 Millionen Mark gelegen. 1995 war die Summe bereits auf 45 Millionen Mark nach oben korrigiert worden. In jüngster Zeit machten Schätzungen die Runde, wonach die Kosten auf 90 bis 100 Millionen Mark explodieren könnten. Zuletzt legten Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin (SPD) und Senator Strieder bei einem Treffen mit dem Schweizer Architekten Peter Zumthor die Höchstgrenze von 76 Millionen Mark fest. Der Bund signalisierte, davon die Hälfte zu zahlen.

Der CDU-Politiker Kaczmarek verweist darauf, dass der Architekt selbst die Kosten "in seinen verbindlich festgestellten Bauplanungsunterlagen auf 45 Millionen Mark beziffert" habe. Wenn Zumthor seine Leistungen "nicht ordentlich erbracht hat", müsse er "zur Rechenschaft gezogen werden" und "unverzüglich" eine Neuausschreibung gestartet werden.

Kritik am Architekten gibt es auch im Entwurf des Strieder-Papiers, das dem Tagesspiegel vorliegt. Aus der Bausummenbegrenzung lasse sich "wohl eine Vertragsverletzung ableiten", die zur "Kündigung aus wichtigem Grund" führen könne. Allerdings liege ein derartiges Vorgehen nicht im Interesse des Landes Berlin. Zum einen drohten dann "weitere unkalkulierbare Kosten". Außerdem wäre man mit einer Bauruine konfrontiert, auf der sich wegen Urheberrechten des Architekten kaum ein neuer Entwurf realisieren lasse.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben