Berlin : Topographie des Terrors: SPD will Kosten-Klarheit

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In der Debatte um das NS-Dokumentationszentrum Topographie des Terrors mehren sich die Stimmen, die sich für eine verkleinerte Form der geplanten Ausstellungshalle auf dem Gelände des einstigen Prinz-Albrecht-Palais in Kreuzberg aussprechen. „Wir können keine explodierenden Baukosten hinnehmen, um das Projekt auf Biegen und Brechen durchzusetzen“, sagte SPD-Fraktionschef Michael Müller dem Tagesspiegel. Er reagierte damit auf eine Erklärung der Bundesregierung, die im Bundeshaushalt für das kommende Jahr keine Finanzmittel für den Neubau vorgesehen hat.

Eine Sprecherin von Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin (SPD) begründete dies mit der Insolvenz der Baufirma Engel & Leonhardt. Dadurch sei die Topographie nicht „etatreif“. „Wenn das Projekt formal nicht in Ordnung ist, sind wir als Bund gezwungen, kein Geld im Haushalt einzustellen“, sagte die Sprecherin. Sie verwies jedoch auf die bis Jahresende laufende Neuausschreibung des Baus durch den Senat. Wenn es gelinge, doch noch eine Baufirma zu finden, die das ambitionierte Projekt für die vereinbarte Maximalsumme von rund 38,8 Millionen Euro vollenden kann, sei davon auszugehen, dass der Bund seinen Anteil zahlen wird.

Der Entwurf sieht ein Gebäude aus tausenden Betonstelen mit verglasten Zwischenräumen vor. Bund und Land teilen sich die Kosten für die Ausstellung. Für 2003 liegt der ursprünglich vorgesehene Bundesanteil bei 8,8 Millionen Euro, Berlin hat im Landeshaushalt die gleiche Summe eingestellt.

Angesichts des seit langem anhaltenden Streits um den Neubau nach Plänen des Architekten Peter Zumthor spricht sich SPD-Fraktionschef Müller für einen Runden Tisch von Land, Bund und Topographie-Stiftung aus. „Wir brauchen eine Klärung, ob wir mit den geplanten Kosten auskommen – oder ob wir eine abgespeckte Version haben wollen.“ Auch wenn man weiter hinter dem Projekt stehe, sei das „Herumlavieren“ der Bevölkerung nicht mehr zu vermitteln.

Auch SPD-Fraktionsgeschäftsführer Christian Gaebler erneuerte seine Bedenken: „Wenn bis Jahresende bei der Ausschreibung die 38,8 Millionen Euro nicht zu halten sind, dann muss man überlegen, ob man das Konzept umstrickt.“ Experten gehen davon aus, dass durch eine neue Ausschreibung die vereinbarten Kosten auf das Doppelte steigen könnten. Das dürfte für das Projekt in der bisherigen Form das Aus bedeuten:„Wir wollen ja kein architektonisches Zeichen setzen, sondern ein Dokumentationszentrum schaffen“, sagt SPD-Mann Gaebler.

Durch die Insolvenz der Baufirma dürfte sich die geplante Eröffnung des neuen Dokumentationszentrums weiter verschieben. Bislang war für den Bau auf dem Gelände der ehemaligen Zentralen von SS, Gestapo und Reichssicherheitshauptamt stets das Jahr 2005 als Ziel angepeilt worden, 60 Jahre nach dem Ende der Herrschaft der Nationalsozialisten. Jetzt hofft man beim Bund immerhin noch auf eine Fertigstellung bis 2006. Bausenator Peter Strieder (SPD) geht indessen davon aus, dass das Projekt „wie geplant“ realisiert wird. „Wir sind zuversichtlich, dass wir eine Firma finden, mit der die bisherige Planung im vereinbarten Kostenrahmen möglich ist“, sagte Strieders Sprecher Joachim Günther. Christiane Peitz / Lars von Törne

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