Berlin : Totschlag – Ex-Fußballer verurteilt Früherer Dynamo-Star hat seine Frau umgebracht

Kerstin Gehrke

Im Streit schlug Werner Lihsa zunächst mit einer Sektflasche zu. Dann hatte er seine Ehefrau im Würgegriff. Der frühere Torwart des Fußballklubs BFC Dynamo, ein populärer Spieler in der DDR der Siebzigerjahre, brachte seine 54-jährige Frau Gudrun um. Weinend hatte er vor dem Landgericht von häufigen Auseinandersetzungen in der gemeinsamen Wohnung in Lichtenberg berichtet, von gegenseitigen Handgreiflichkeiten, Alkoholproblemen und nur schemenhaften Erinnerungen an den verhängnisvollen Abend. Nach dreiwöchigem Prozess sprachen die Richter gestern ihr Urteil: wegen Totschlags sieben Jahre Haft.

Lihsa war nach Überzeugung des Gerichts an jenem Tag im April dieses Jahres verzweifelt. Er habe nicht mit Gegenwehr seiner Frau gerechnet. Als sie mit der Sektflasche zurückschlug, sei Lihsa aus der Fassung geraten. Er habe seine Hände um den Hals der 54-Jährigen gelegt und zugedrückt. „Wenn sie nicht zurückgeschlagen hätte, wäre sie vielleicht noch am Leben“, sagte der Vorsitzende Richter. Sie wäre auch noch am Leben, wenn Lihsa die Finger vom Alkohol gelassen hätte. Auslöser der Tat war „mit Sicherheit der Alkoholkonsum“, stand für die Richter fest. Lihsa sei ein „Spiegeltrinker“ gewesen, der einen gleichbleibend hohen Alkoholpegel brauchte. Er sei mit Beziehungsproblemen schlecht fertig geworden. Die aber gab es in der für Lihsa zweiten Ehe ständig. Aus Sicht der Richter fühlte sich der einst so berühmte Torwart einerseits von seiner Frau beherrscht. Auf der anderen Seite habe er aber befürchtet, ohne ihre Tatkraft hilflos zu sein. Werner Lihsa spielte von 1967 bis 1975 beim BFC. 1972 gehörte er für ein Spiel der DDR-Nationalmannschaft an. Zuletzt arbeitete er als Platzwart.

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