Berlin : Tradition der Taler: Die Berliner und ihr Geld

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Sein unter der Folter erpresstes Geständnis hatte der Delinquent widerrufen, das sollte er büßen. Und so wurde der jüdische Münzmeister Lippold, Vertrauter des Kurfürsten Joachim II., doch bei dessen Nachfolger Johann Georg in Ungnade gefallen, am 28. Januar 1573 auf dem Weg zum Richtplatz nahe der Marienkirche mit glühenden Zangen gekniffen, dann aufs Rad geflochten und sein Körper nach dem qualvollen Ende zerhackt und zur Schau gestellt. Dass man ihm weder Unterschlagungen noch Münzbetrug und schon gar nicht Zauberei und Vergiftung seines Gönners Joachim II. hatte nachweisen können, spielte keine Rolle.

Auch dieser Justizmord aus dem 16. Jahrhundert gehört zur Berliner Münzgeschichte, die der Historiker, Journalist und Tagesspiegel-Autor Helmut Caspar jetzt in einem ebenso kenntnisreichen wie unterhaltsamen Buch ausgebreitet hat. Ihn interessierte nicht allein die numismatische Seite, sondern auch die sozial- und kulturhistorische, und so finden sich neben den unabdingbaren Informationen über die Entwicklung des hiesigen Münzwesens auch zahlreiche Episoden aus der Berliner Stadtgeschichte. So wird ein Querschnitt durch die Jahrhunderte gelegt, die Entwicklung der Stadt an einem zentralen Bindemittel der Gesellschaft nachgezeichnet, das mal Dukaten hieß, mal Taler, Gulden, Mark oder nun eben Euro. Das kann man von vorne bis hinten studieren, aber es lässt sich auch, durch knappe Kapitel erleichtert, einfach kreuz und quer darin schmökern. ac

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